Wenn einer eine Reise tut...

(Eine günstige Türkeirundreise, oder doch eine Kaffeefahrt?!)




Prolog


Wir sahen am 29. Februar 2004 in unserem regionalen Sonntagsblättchen „Super Sonntag“ eine Anzeige des Reiseveranstalters „Berge & Meer“ aus Rengsdorf, die uns direkt ins Auge sprang:


„Türkeirundreise Wunder Kleinasiens“.


Die Reise war als 8-tägige Rundreise ausgeschrieben, sollte von Antalya nach Izmir gehen und pro Person lediglich 199,00 € kosten. Dabei war in dem Leistungspaket der Charterflug nach Antalya und zurück ab Izmir (bzw. umgekehrt), der Transfer Flughafen – Hotel – Flughafen, 7 Übernachtungen und Halbpension, das Rundreiseprogramm in vollklimatisierten Reisebussen, deutschsprachige Reiseleitung vor Ort und der Reisepreissicherungsschein bereits im Preis enthalten. Auf Wunsch konnte man dann für einen Preis von weiteren 75,00 € ein Paket buchen, in dem bereits die Eintrittsgelder, deutschsprachige Führungen und sechsmal Mittagessen enthalten waren.

Wir lasen uns genau die Beschreibung des Reiseverlaufes durch und waren begeistert. So eine Superreise für einen so günstigen Preis. Also buchten wir die Reise für die Zeit vom 19. - 26. Mai 2004, bekamen die Bestätigung und zahlten sie mit 97,00 € an. Immer wieder lasen wir die Reisebeschreibung und unsere Vorfreude auf den Kurzurlaub in der Türkei stieg.


Am 7. Mai erhielten wir die Tickets und den genauen Ablauf unserer Reise. Wir lasen: unser Flug sollte um 18.50 h ab Frankfurt gehen, voraussichtliche Ankunft in Antalya 23.10 h. Danach Transfer in das Hotel Baymurat. Wir begannen darüber nachzudenken, wann wir denn eigentlich ein Abendessen bekommen würden, wenn wir mitten in der Nacht dort eintreffen würden. Aber was sollte es. Abstriche musste man eben machen, wenn man eine so preiswerte Reise machte, dachten wir. Dann besahen wir uns die Rückflugtickets. Eigentlich sollte der Rückflug von Izmir direkt nach Frankfurt gehen. Jetzt sagten uns die Tickets, dass wir um 4.00 h nachts (was war denn mit Frühstück?) von Izmir aus nicht nach Frankfurt, sondern erst mal bis Antalya fliegen würden, dort Ankunft gegen 4.55 h. Der Abflug nach Frankfurt wäre dann gegen 15.15 h, Ankunft in Frankfurt gegen 17.55 h. Wir lasen nochmal. Was sollte das? Sollten wir wirklich zehn Stunden im Flughafen Antalya zubringen? Wir erkundigten uns bei der Reisegesellschaft, wie sie sich das denn vorstellen würden. Man erklärte uns, dass ihnen die Problematik des achten Tages durchaus bewusst wäre und sie nach einer Lösung suchen würden. Im übrigen seien sie nicht für die Flugpläne verantwortlich und hätten keinen Einfluss darauf. Unsere Frage nach der Halbpension wurde so beantwortet, dass nach dem deutschen Reiserecht der Ab- und Anreisetag reine Beförderungstage seien, an denen vom Veranstalter neben dem Transport keine weiteren Leistungen geschuldet würden. Komisch, dachten wir, wie sollte denn zu verstehen sein, dass in der Anzeige 7 Übernachtungen mit Halbpension angeboten werden? Nach unserer Rechnung musste am Ankunftsabend das Abendessen und am Abflugtag das Frühstück zur Leistung dazu gehören. Aber unser Interesse, uns 10 Stunden am Flughafen aufzuhalten, war gering und wir schlugen Berge & Meer vor, eine Anschlusswoche in einem Hotel in Antalya dazu zu buchen. Ansonsten wollten wir, wenn keine günstigere Abflugzeit gewährleistet werden könnte, lieber von der Reise zurücktreten. Man sagte uns, dass mit dieser Reise keine Anschlusswoche zu buchen sei, man sich jedoch weiter um eine Lösung des Problems kümmern würde. Am 10. Mai erhielten wir dann per e-mail und später noch einmal telefonisch die Auskunft, dass die Abflugzeit aus Antalya sich geändert hätte. Der Flug ab Antalya würde ab 8.00 h gehen, allerdings mit einer Zwischenlandung in München. Die Tickets mit der falschen Flugnummer und der falschen Zeit würde aber ihre Gültigkeit behalten. Wir hofften, dass das auch stimmen würde.



Der Urlaub beginnt


1. Urlaubstag, Mittwoch, 19. Mai 2004


Unsere Urlaubsfahrt begann sonnig. Bus und Bahn waren pünktlich und wir kamen rechtzeitig, also 2 Stunden vor dem Abflug aus Frankfurt, um 16.45 h im Flughafen an. Bei der Kofferaufgabe sagte man uns, dass der Flug sich verzögern würde. Vorläufige Abflugzeit 20.30 h. Warten war angesagt. Wir richteten uns ein, lasen oder beobachteten die Menschen, die genau wie wir mehr oder weniger gelangweilt mit ihrem Handgepäck herumsaßen oder -lagen und die Zeit totschlagen wollten. Endlich kam gegen 20.45 h der Aufruf zum boarding. Gegen 21.15 h hob unsere Maschine, eine ziemlich enge Boing 737 der türkischen Airline Pegasus ab. Die Sitze, jeweils 3 auf jeder Seite der Maschine, waren so schmal, dass man kaum wusste, wohin man mit seinen Armen sollte. Der Flur dazwischen war so eng, dass man sich mehr oder weniger seitlich durchschlängeln musste. Menschen mit etwas längeren Beinen hatten Probleme beim Sitzen. Aber wir machten uns immer wieder bewusst, dass wir eine „Billigreise“ gebucht hatten und nahmen Abstriche in Kauf. Ändern konnten wir es sowieso nicht mehr. Wir saßen drin und mussten es aushalten. Die Crew wirkte angestrengt und sprach kaum Deutsch. Zum Glück konnte man sich in Englisch verständigen. Das Essen an Bord war erstaunlich gut. Als Entschädigung für die zweistündige Verspätung durfte sich jeder Passagier, der wollte, kostenlos ein alkoholisches Getränk auswählen. Flug und Landung waren o.k., die Koffer schnell auf dem Band, und los ging die Suche nach einer Person, die das Schild „Berge & Meer“ in der Hand hatte. Ein junger Mann schickte uns zu einem Schalter, um die Nummer des Busses zu erfahren, der uns in unser Hotel in Antalya bringen würde. Das uns vorher mitgeteilte Hotel Baymurat war gestrichen und durch das Hotel Nazar Beach in Antalya-Lara ersetzt worden, das wir gegen 2.30 h erreichten. Im Restaurant des Hotels hatte man uns auf grossen Platten kaltes Abendessen hingestellt, dass total vertrocknet aussah und niemanden um diese Zeit mehr reizte, auch nur einen Bissen davon zu essen. Einer der viel zu süßen Zuckerwasser-Saftgetränke in einer der Frühstücksgetränke-Behälter war das einzige, dass man zum Trinken dort vorfand. Zum Glück hatten wir noch in der Thermokanne, die wir überall mit hinschleppen, etwas zum Trinken, so dass wir die Süße wieder hinunterspülen konnten. Totmüde schleppten wir uns dann ins Zimmer. Wir schliefen einigermaßen gut, (mir war zwischendurch in der Nacht ziemlich kalt mit nur einer Decke über mir) wenn auch ein wenig zu kurz, da wir gleich am nächsten Tag ein grosses Programm hatten.



2.Urlaubstag, Donnerstag, 20. Mai 2004


Als wir um 7.30 h am Morgen aus dem Fenster schauten, sahen wir direkt vor uns das Meer und rechter Hand einen hohen Berg, den Olympus. Die Sonne schien und es sah alles wunderschön aus. Das Frühstücksbüffet bestand aus einer ganzen Menge von Essbarem, vor allem aber, wie in den südlichen Ländern üblich, aus Eiern, Oliven, Schafskäse, Tomaten, Gurken, ein oder zwei Käse- und Wurstarten und vor allem Weißbrot und süßem Gebäck. Aber es gab auch Müsli für die gesündere Ernährung, wenn man das denn im Urlaub im Süden mag. Um 9.00 h trommelten uns gleich zwei Reiseleiter zusammen, erzählten Einzelheiten von den täglichen Fahrten auf der Rundreise und teilten die Anwesenden nach ihrem Herkunftsflughafen in zwei Gruppen auf. Leider gab es keinen Begrüßungsdrink, wie wir es von früheren Fahrten gewöhnt waren.


Der Tag ging weiter mit einer Fahrt in ein Freilichtmuseum, das die Ausgrabungen der antiken Stadt Perge zeigt. Hier sollen sich laut Apostelgeschichte der Apostel Paulus und Barnabas getrennt haben. Wenn man ein wenig in sich hinein horcht, fühlt man vielleicht noch etwas von der Lebendigkeit der alten Stadt, stellt man sich eventuell vor, wie es damals war. Und vielleicht erlebt man beim Gehen über die Steinquader der alten Straßen ein eigenartiges Gefühl bei dem Gedanken, dass bereits vor 2000 Jahren schon Menschen darauf gegangen sind. Es ist an manchem Ort noch zu erkennen, wie man damals lebte und arbeitete. Der Reiseleiter erklärte, was aus hellinistischer oder römischer Zeit war, und wir bewunderten das Stadion, die Agora, das römische Bad, die Wasser- und Abwasserleitungen unter der Straße. Die Sonne stieg höher und es wurde wärmer und wir waren froh über die alten Mauern, die uns Schatten spendeten. Selbst jetzt im Mai war die Temperatur bereits auf ca. 28°C gestiegen. Nach der Besichtigung von Perge brachte uns der Reisebus in einen schön angelegten Naturpark, in dem die Einheimischen gerne ihre Freizeit mit Picknick verbringen. Für die Kinder gab es genügend Spielmöglichkeiten.


Dort bewunderten wir die Kurşunlu-Wasserfälle, die ganz romantisch inmitten des Grüns eines Waldes liegen und sich in einen See ergießen. Wir genossen die Natur und den Wald mit seinem Schatten. Dann ging die Fahrt weiter nach Antalya. Wir wurden in der Altstadt abgesetzt, damit jeder auf eigene Faust die Stadt erkunden konnte. Da die Zeit knapp bemessen war, sahen wir nur mal kurz in die Verkaufsstände und hatten Mühe, uns nichts aufschwätzen zu lassen. Ein Restaurant mit freundlicher Bedienung lockte da schon eher. Und wir waren nicht die einzigen aus unserem Bus, die lieber einen türkischen Kaffee trinken wollten als im Eiltempo, ohne Stadtplan und Führung, eine fremde Stadt anzusehen. Auf der Rückfahrt zu unserem Hotel machten wir kurz Halt an den Karpuzkaldiran-Wasserfällen, an denen der Fluss Düden ins Mittelmeer fällt. Ja, er fließt nicht wie andere Flüsse einfach ins Meer, er fällt ins Meer. Ein wunderschönes Schauspiel, von dem wir entsprechend begeistert waren. Gegen 17.00 h setzte uns der Bus wieder am Hotel ab. Da wir in der vergangenen Nacht etwas wenig Schlaf bekommen hatten, wollten wir den Nachmittag für ein Nickerchen nutzen. Aber da stellten wir fest, dass das Hotel mit der schönen Lage mitten in der Einflugschneise des Flughafens liegt. An Schlaf war nicht zu denken. Also verschoben wir das bis zum Abend. Da am nächsten Tag eine Strecke von 600 km vor uns lag, um nach Kappadokien zu kommen, ließen wir den Abend schon früh ausklingen. Der Wecker wurde auf 5.30 h gestellt und wir legten uns, diesmal mit zwei Wolldecken, zum Schlafen. Doch diesmal machten uns eine Gruppe Jugendlicher aus einem osteuropäischen Land einen Strich durch die Rechnung. Im Nebenzimmer wurde gejohlt, geschrieen, getrampelt. Ständig lief jemand durch den Flur, klopfte lautstark an die Zimmertüre des Nachbarzimmers. Und das bis 2.00 h nachts. Es war einfach unmöglich, zu schlafen. Dreimal sagten wir, sie sollten ruhig sein. Es war für kurze Zeit mal leiser, dann ging das Theater von vorne los. Apropos Theater. Bei diesem Lärm im Nebenzimmer begannen wir uns zu ärgern, nicht das Angebot unseres Reiseleiters angenommen zu haben: eine konzertante Aufführung von klassischer Musik und Musicals in dem wunderschönen antiken Theater von Aspendos mitzuerleben. Wir hatten uns so müde gefühlt und ausschlafen wollen. Aber da wir jetzt doch nicht schlafen konnten, weil es einfach zu laut war, ärgerten wir uns über den entgangenen Genuss in so einmaliger Kulisse.





3. Urlaubstag, Freitag, 21. Mai 2004


Da die Nacht mal wieder zu kurz gewesen war, blieb nur die lange Busfahrt, um ein wenig Schlaf nachzuholen. Unsere Fahrt ging über Alanya, vorbei an einigen seldschukischen Karawansereien, weiter auf der Seidenstrasse in der Hochebene in Richtung Konya, dem antiken Iconium. Wir besuchten das Mevlana-Museum, eine umfunktionierte Moschee mit Klosterbereich. Die Schuhe wurden in die Hand genommen und dann durften wir in das Innere des aus dem 13. Jahrhundert stammenden Gotteshauses. Vom Innenhof her konnte man die Mönchszellen erkennen. Das Grabmal des Ordensgründers und Mystikers Mevlana Celaleddin Rumi ist inmitten der Moschee. Seine Aussprüche, die in Gedicht- oder Liedform vorliegen, werden noch heute gelesen. Wir bekamen durch unseren Reiseleiter eine Kostprobe davon. Die kluge und klare Ausdrucksweise erinnerten mich ganz stark an das Gedankengut der Buddhisten. Mevlana hat wohl auch die schnellen Drehungen der Derwische (Mönche) eingeführt, die meditativen Charakter haben.


Nach der Besichtigung ging die Fahrt weiter nach Nevşehir. Hier wurde das Hotel Viva für zwei Nächte unser „Zuhause“. Am Abend fuhren wir zu einem Folkloreabend. Es war ein Kellerlokal mit beheizten Steinbänken. Derwische (keine echten Mönche) tanzten, eine Bauchtänzerin wurde von der Decke herunter gelassen und begeisterte die Zuschauer mit ihren Darbietungen. Als sie sich einige Herren aus der Menge holte, um mit ihr zusammen eine Showeinlage zu bieten, lachte die Menge sich schief.

Man konnte Wein oder irgendwas anderes trinken, so viel man wollte. Aber der Wein schmeckte nicht so besonders gut und wir hielten uns an Antialkoholisches oder auch an Rakι, der ausgezeichnet schmeckte. Es wurden außer den Knabbereien, die auf dem Tisch standen, auch mit Käse gefüllte Teigröllchen serviert. Sehr lecker! Von den Knabbernüssen hatten einige leider noch Schalen dran, an denen man sich, weil man das in dem dämmrigen Licht des Raumes kaum sah, leicht die Zähne kaputt beißen konnte. Aber es war ein recht schöner Abend, an dem man sich nicht geneppt fühlte, weil die Show wirklich professionell gemacht war.




4. Urlaubstag, Samstag, 22. Mai 2004


Am nächsten Morgen ging die Fahrt nach einer ruhigen Nacht (obwohl das Hotelzimmer zur Straße hin lag) nach Kappadokien. Die Landschaft ist einfach faszinierend. Die Felsgebilde aus Tuffstein erscheinenwie von einer anderen Welt. Wie Riesenkegel stehen sie dicht an dicht, höher oder niedriger, aber immer imposant. Im Freilichtmuseum in Göreme gibt es eine Menge von Felsenkirchen bzw. Einsiedlerwohnungen zur Besichtigung, die in diese Tuffsteinfelsen hinein gehauen wurden. Enge Leitern, steile Stiegen oder enge Gänge führen hinauf. Die Fresken und Gemälde in den Kapellen und Kirchen sind leider fast alle durch Zerkratzen oder Herausschlagen der Gesichter der Heiligen zerstört. Unter den herausgeschlagenen Stellen kommen naive Zeichnungen der Zeit des Bildersturms zum Vorschein, als aller Schmuck aus den Kirchen verbannt worden war.






5. Urlaubstag, Sonntag, 23. Mai 2004


Wieder einmal war sehr frühes Aufstehen angesagt. Um 5.30 h wurden wir geweckt, weil eine 600 km lange Fahrt nach Pamukkale vor uns lag. Es ging über die ziemlich langweilig anzusehende Hochebene von Konya in Richtung Beysehir. Allerdings war interessant, dass der Apostel Paulus hier mit Silas, seinem philosophischen Gefährten, gewandert war. In der Zwischenzeit hatte ich mir den Marco Polo-Reiseführer vorgenommen und versuchte, mir die türkischen Zahlen einzuprägen. Zeit hatte ich genug. Ich hoffte, außer Teşekkür ederim (danke), lütfen (bitte), evet (ja), hayιr (nein), günaydιn (guten Morgen) und merhaba (guten Tag) dann vielleicht irgendwann wenigstens ein wenig von der Sprache zu verstehen. Auf der endlos erscheinenden Straße kamen viele LKW entgegen, von denen einige auch an unübersichtlichen Stellen glaubten, überholen zu müssen. Dadurch erlebten wir drei sehr kritische Situationen und waren heilfroh, dass unser Fahrer durch äußerst starkes Bremsen und nach rechts ziehen Zusammenstöße vermeiden konnte. Wir fuhren an einigen Ortschaften vorbei und man sah, dass viele Bewohner sich Hühner und Puten hielten. Aus einem Kornfeld schaute ganz neugierig ein kleiner Fuchs. Alle 1 – 1 ½ Stunden ließ der Reiseführer den Bus anhalten und eine Pause machen. Deshalb war die lange Fahrt erträglich. Aber wir waren trotzdem froh, als wir endlich in der Ferne die Sinterterrassen von Pamukkale (Baumwollschloss genannt) sahen. Aber heute ging es noch nicht dort hin. Ganz in der Nähe war eine alte Begräbnisstätte ausgegraben worden, die besichtigt werden sollte. Es waren riesige Steinsarkophage und steinerne Totenhäuser, die zum Teil erst in den letzten Jahren ausgegraben worden waren. Danach besuchten wir die etwas höher gelegene Ruinenstadt Hierapolis, von der das Theater noch gut erhalten ist. Die Stadt ist bisher nur zum Teil ausgegraben worden und muss einmal riesig gewesen sein.

Nach der Besichtigung fuhren wir unser Hotel für eine Nacht an. Wir waren begeistert. Das erste „bessere“ Hotel. Nicht, dass die anderen schlecht gewesen wären. Aber das hier war doch eine ganze Kategorie besser. Alleine vom Entrée machte es schon mehr her. Und nicht nur das. Es hatte mehrere Pools. Ein normales Schwimmbad draußen, ein Thermalbad draußen, ein Thermalbad innen. Man hatte die Möglichkeit zu saunen und sich massieren zu lassen. Nur die Massage kostete extra. Alles andere war frei zugänglich. Handtücher für den Badebereich wurden gestellt. Wir waren begeistert und hätten uns gewünscht, hier länger als nur eine Nacht bleiben zu können. Allerdings waren die Getränkepreise dann doch ernüchternd. Für ein kleines Glas Bier fanden wir 4,00 € dann doch happig, ein Glas Wein kostete 6,00 €. Und die antialkoholischen Getränke waren auch nicht „billig“! Während wir uns sonst für unsere Thermokanne mit preiswerteren Getränken in kleinen Geschäften eingedeckt hatten, gab es in der Nähe unseres teuren Hotels leider keine Einkaufmöglichkeit. Zum Glück hatte der Busfahrer in seiner „Fahrenden Bar“ auch gekühlte Getränke, so dass wir zum ersten Mal darauf zurückgreifen konnten. Nach einem schönen Abend und einer traumhaft guten Nacht fuhren wir am nächsten Morgen nach Pamukkale.

Als wir ankamen, wurde gerade das Wasser in die richtige Richtung kanalisiert, damit die Sinterterrassen überflutet werden konnten. Das geschieht, wie man uns sagte, nach einem besonders ausgeklügelten Plan, damit die Verschmutzungen der vergangenen Jahre so langsam wieder verschwinden und alle Terrassen erneut in schönem Weiß erstrahlen. Wir zogen die Schuhe aus und durften auf einem speziell dafür eingerichteten Weg die Terrassen betreten. Dabei stellten wir fest, dass zum Teil recht dilletantisch mit Zement an den Terrassen herum gewurstelt worden war. Manches darf man sich besser nicht so genau ansehen. Sicher sind die meisten Terrassen natürlichen Ursprungs. Aber es gibt sicher immer wieder Menschen, die glauben, etwas verbessern zu müssen und dadurch alles verschandeln. Wir versuchten, über den Zement hinweg zu sehen und uns auf die Schönheit der Natur zu konzentrieren. Obwohl man uns gesagt hatte, dass niemand mehr in den Terrassenbecken baden dürfte, kamen uns einige Leute mit Badekleidung und Handtüchern entgegen. Es wird anscheinend nicht genügend kontrolliert. Wer weiß, ob das UNESCO-Kulturerbe auf diese Weise noch lange Bestand hat.





6. Urlaubstag, Montag, 24. Mai 2004


Wir verließen das schöne Hotel und fuhren in Richtung Tavas. Unterwegs hielt der Bus zur Besichtigung einer Teppichfabrik (es war kein Dorf, wie im Reiseablauf beschrieben). In einer Demonstration wurde uns gezeigt, wie vom Wollflor Wolle gemacht wird, wie sie gefärbt wird (mit Naturfarben angeblich, die man uns auch zeigte, obwohl wir zuvor gesagt bekommen hatten, dass BASF in den modernen Teppichen steckt), wie sie zu Teppichen geknüpft wird. Man zeigte uns Seidenraupen, die Maulbeerblätter fraßen und Kokons, die in kochendem Wasser aufgelöst wurden und deren Seidenfäden dann verzwirnt und aufgespult wurden. Und dann sahen wir Frauen und Mädchen an den Knüpfstühlen, die mit Seide oder Wolle in ungeheurer Genauigkeit Teppiche knüpften. Das war alles sehr interessant. Anschließend wurden wir zu einem Getränk in einen grossen Raum eingeladen, in dem wertvolle Teppiche vor den Fenstern hingen. Hier durfte nicht fotografiert werden. Und dann legte man uns Teppiche über Teppiche auf den Boden. Es waren einige schöne Stücke dabei. Doch anschließend wollten sie die Teppiche natürlich auch verkaufen. Davon war in unserer Reiseinformation aber keine Rede! Unser Reiseleiter erhöhte die Zeit zur Möglichkeit, etwas einzukaufen, einfach von einer auf zwei Stunden. Aber da kaum jemand aus der Reisegruppe an einem Kauf wirklich interessiert war, wurde trotzdem nur wenig verkauft. Von da an war unser Reiseleiter nur noch mit motzigem Gesichtsausdruck zu sehen und äußerst wortkarg. Wir nahmen in der Fabrikkantine in ziemlich kurzer Zeit ein gutes Mittagessen ein (diesmal kein Büffet sondern ein Essen mit Bedienung). Dann ging die Fahrt weiter durch das so genannte Mäander-Tal, einem der fruchtbarsten Gebiete der Türkei, nach Kuşadası. Dort übernachteten wir in einem einfachen Hotel. Leider hatten wir einige Ameisen und vom nahen Sumpf ein paar Mücken im Badezimmer. Aber für zwei Nächte ließ es sich aushalten. Und das Meer war direkt vor der Türe. Es war noch warm, als wir dort ankamen und der Strand war sandig. Wir stapften mit den Füßen durch das Wasser und machten einen kurzen Strandspaziergang. Das Wasser war warm genug zum Schwimmen. Aber wir hatten nur ein Handtuch und keine Badesachen mitgenommen. Deshalb verschoben wir das Schwimmen auf den nächsten Tag. Am Abend lud uns eine kleine Kneipe, (mehr eine Bude), zum Trinken ein.




7. Urlaubstag, Dienstag, 25. Mai 2004


Nach einer guten Nacht und einem ausreichenden Frühstück fuhren wir zu einer der besterhaltenen antiken Städte Kleinasiens. Ephesus. Sie zählte ehemals zu einer der reichsten Städte und der Artemis-Tempel gehörte zu den sieben Weltwundern. Man merkte es, weil so ungeheuer viele Menschen durch die Straßen der Stadt unterwegs waren. Wir bekamen einiges erklärt, liefen aber trotzdem mit unserem noch immer recht wortkargen Reiseführer an einigen schönen Bauwerken von Ephesus vorbei. Das Theater z.B., ein wunderbar erhaltenes antikes Bauwerk, sahen wir nur von außen. Statt dessen hatte er uns 15 Minuten Zeit gegeben, die Celsus-Bibliothek anzusehen. Es war sehr deutlich zu spüren, dass er seinen Ärger für den entgangenen Zusatzverdienst aus der Teppichfabrik an uns auslassen wollte.

Der Reiseleiter gab auf Anfrage zu, dass er natürlich wegen des geringen Kaufes so reagieren würde. Er erklärte uns, dass nicht nur er dadurch einen Verdienst hätte, sondern alle Bediensteten in den Fabriken auf unsere Käufe angewiesen wären. Er sagte uns, wenn wir so etwas nicht mitmachen wollten, müßten wir eben mit teureren Gesellschaften wie Studiosus-Reisen in Urlaub fahren. Der Preis für unsere Reise sei ja deshalb so niedrig, weil die Fabriken unsere Reise mitfinanzierten und uns diesen billigen Urlaub erst ermöglichten, damit wir etwas einkaufen würden. Da stieß er allerdings doch auf einiges Unverständnis. Aber er drückte weiter auf die Tränendrüse. Wir fuhren nach Selςuk. Dort besichtigten wir die Isabey Moschee. Der Reiseleiter erklärte, dass Bey die Bezeichnung der Nomadenfürsten sei und noch heute für den „Mann“ üblich sei. Wir fragten ihn in der Moschee nach vielem, was uns unbekannt war. Er gab uns auch Auskunft, aber an seinem Gesichtsausdruck konnte man sehr deutlich sehen, wie widerwillig er uns überhaupt antwortete. Es war für ihn anscheinend eine Gratwanderung zwischen Höflichkeit und Ignoranz. Nachdem wir noch ein paar Pfeiler eines ehemaligen Artemistempels besichtigt hatten (bei dem die Buch- und Kartenverkäufer ziemlich aufdringlich waren), fuhren wir zu einem wieder einmal kurzen Mittagessen weiter. Es standen schließlich noch ein Schmuck- und ein Leder-Zentrum zur Besichtigung an. Auch hier war sehr stark der Druck zu spüren, unbedingt etwas kaufen zu sollen. Vielleicht wurde jetzt etwas mehr Geld umgesetzt, denn anschließend zeigte uns der Reiseleiter wieder ein etwas freundlicheres Gesicht.

Er verabschiedete sich am Hotel von uns und besah sich genau, was man ihm als Trinkgeld in die Hand drückte.

Nun kam unsere letzte Nacht. An Schlaf war nicht zu denken, denn man teilte uns mit, dass wir ab 23.30 h die Koffer in den Bus bringen könnten. Um 24.00 Uhr wäre bereits die Abfahrt zum Flughafen nach Izmir. Wir packten also die Koffer und legten uns für kurze Zeit noch mal auf das Bett, um wenigstens ein wenig zu ruhen.




8. und letzter Urlaubstag, Mittwoch, 26. Mai 2004


Gegen 23.00 h wurden die ersten Koffer bereits in die Hotelhalle gebracht. Zwischendurch ging dann das Licht aus. Kein Strom! Ein Notstromaggregat sprang an. Als wir unsere Koffer mit dem Aufzug hinunterbringen wollten, machte es wieder „klack“, das Licht im Lift ging aus und der Fahrstuhl blieb stecken. Zum Glück war alles schnell wieder in Ordnung. Das Gebrumme des Notstromaggregates schnurrte wie ein Kätzchen. Um 0.00 h fuhr der Bus in Richtung Izmir. Schade, dass wir von der Stadt, dem geschichtlichen Smyrna, überhaupt nichts sahen. Im Flughafen angekommen hatten wir Zeit bis 4.00 h. Wieder Warten, Herumlaufen, Auslagen ansehen, Menschen beobachten. Der Abflug war pünktlich und wir landeten gegen 4.55 h in Antalya. Man ließ uns in den Transitraum und sperrte uns dort regelrecht für die nächsten 3 Stunden ein. Es gab keine Möglichkeit, sich etwas zu essen oder trinken zu kaufen. Wer nichts dabei hatte, war aufgeschmissen. Wir stellten uns vor, was wir wohl getan hätten, wenn wir die 10 Stunden hier hätten verbringen müssen. Aber schon die etwas mehr als 3 Stunden wurden zur kleinen Ewigkeit. Rauchen war nicht erlaubt. Aber es gibt nun einmal Menschen, die sich darüber hinweg setzen. Zwei „Damen“ marschierten kurzerhand in die Toilette und rauchten ganz ungeniert dort. Der Rauch durchdrang die Luft des Transitraums, aber es gab keine Aufsicht, die das Rauchen verhinderte. Nach zwei Aufrufen, die sich als falsch erwiesen, durften wir nach dem 3. Aufruf endlich den Raum in Richtung Flugzeug verlassen. Gegen 9.15 h hob der Flieger ab. Die Zwischenlandung in München war eine recht böige Angelegenheit. Aber auch die für uns auf dieser Reise letzte Landung in Frankfurt/Main war nicht ohne. Der Pilot hatte mit ziemlichen Luftlöchern zu kämpfen und wir waren heilfroh, als wir gut gelandet waren.





Epilog


Wir haben viel erlebt in dieser Woche. Da hat die Anzeige nicht gelogen. Die Rundreise durch die Türkei war schön und wir haben viel gesehen. Aber es ist nicht korrekt, wie für diese Reise geworben wurde. Im Zeitungsinserat wurde für den 6. Urlaubstag lediglich der Besuch eines typischen Teppichdorfes erwähnt, damit man die vielleicht älteste Kunst der Türkvölker kennen lernen könne. Das fanden wir auch sehr interessant. Da stand nichts von dem moralischen Druck, einen Teppich in einer Fabrik zu kaufen, dem wir dann auf der Reise wirklich ausgesetzt waren. Und dort stand erst recht nichts von Leder- und Schmuckfabriken, und dem Wunsch, man möge doch die Bevölkerung der Türkei und vor allem die Mitarbeiter dort (oder den Reiseleiter) durch den Kauf von Artikeln aus diesen Fabriken unterstützen.

Zusammen mit der Reisebestätigung wurde uns eine neue Reisebeschreibung mitgeschickt, worin für den 7. Tag zusätzlich so ganz nebenbei der Besuch von Schmuck- und Leder-Zentren erwähnt wurde.

Das fanden und finden wir nicht in Ordnung. Da sollte man doch gleich sagen, dass die Reise nur deshalb so preiswert ist, weil Gegenleistungen erwartet werden. Wir wissen nicht, welche Vereinbarungen zwischen dem deutschen Reiseveranstalter „Berge & Meer“ und dem türkischen Reiseveranstalter „Bronce“ getroffen wurden. So viel wir auch gesehen haben und so froh wir sind, für diesen günstigen Preis eine schöne Reise gemacht zu haben, so sehr bleibt ein bitterer Nachgeschmack haften, der uns in Zukunft noch genauer hinsehen läßt, was man uns anbietet.


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