Unsere Busreise mit Kylltalreisen nach Südengland
Wir freuten uns wie die Schneekönige, dass wir es nach vielen Jahren endlich schafften, einmal nach Südengland und nach Cornwall zu kommen.
Donnerstag, 15.05.2008
ging es um 4.40 h von Koblenz aus los. Wir wurden nach Bitburg gebracht, wo der „richtige“ Bus auf uns wartete, der uns nach England bringen sollte und fuhren durch Belgien zum Hafen von Calais. Die Fähre ließ an diesem Tag etwas auf sich warten. Zunächst sprach man von 20 Minuten Verspätung. Doch letztendlich war es dann doch mehr als eineinhalb Stunden, die wir später an Deck fuhren als geplant. Die Überfahrt bei etwas diesigem Wetter war ruhig. Als wir in Dover ankamen, und die Kreidefelsen uns entgegen leuchteten, war es schon etwas freundlicher geworden.
Der
Bus fuhr uns bis nach Bristol. Warum das so geplant war, wussten wir
nicht. Wir hofften jedoch, am nächsten Tag etwas von Bristol zu
sehen, den Hafen oder die Kathedrale, oder aber vielleicht einen
Abstecher nach Bath zu machen. Doch leider fuhr man uns nach der
Übernachtung gleich weiter Richtung Exeter, so wie es in der
Reisebeschreibung vorgesehen war.
Freitag, 16.05.2008
Nach einer Übernachtung in Bristol im Holyday Inn, das recht schön war, fuhren wir nach Exeter, das wir besichtigten. Wir bewunderten die Kathedrale, die Altstadt, das Gildehaus usw.. Nur von der „durchgängigen Reisebegleitung“, die uns im Prospekt versprochen worden war, war nichts zu sehen. Dabei hätte sie uns sicher viel über diese herrliche Stadt erzählen können. Nach kurzer Weiterfahrt besuchten wir die berühmte Benediktiner-Abtei in Buckfastleigh. Dann ging es weiter nach Südwesten bis Plymouth.
Das Hotel (Novotel) war ganz gut, aber nicht ganz so schön wie das Hotel in Bristol. Von Anfang an gewöhnten wir uns an das englische Essen und an die engen englischen Betten, bei denen es schon fast ein Kunststück ist, ein- oder auszusteigen, oder wir versuchten es zumindest, uns daran zu gewöhnen. Beim Essen musste man umdenken. Jedes Gemüse schmeckte irgendwie nach nichts, so als ob es nur durch kochendes Wasser gezogen würde und der Eigengeschmack irgendwie auf der Strecke bliebe. Es gab keine Soße dazu, einfach nur das nackte Gemüse. Da war es schon von Vorteil, dass Pfeffer und Salz auf den Tischen standen. Auch das Rührei sah nicht nach Ei aus. Bei uns ist es gelb, in den Frühstückspfannen dort war es mehr weiß als gelb und hatte dunkle Punkte. Es schmeckte wie Milch mit Ei. Speck, weiße Bohnen in Tomatensoße und kleine, fettige Würste zum Frühstück sind auch nicht jedermanns Geschmack. Die Brötchen waren zum Teil ganz lecker, auch der Toast, sofern man ihn sich selbst rösten konnte. Viele bedienten sich aus den Müslischalen, sogar diejenigen, die so etwas zu Hause nicht essen. Aber andere Länder, andere Sitten, andere Geschmäcker. Soweit war man ja auch informiert über englisches Essen und dass es so ganz anders war als unser deutsches Essen. Zum Glück gab es ja das Frühstücksbuffet, an dem man sich aussuchen konnte, was von allem einem dann am besten zusagte.
Samstag, 17.05.2008
Der Tag stand zur freien Verfügung. Es war der Pausentag unseres Fahrers Rudi, und so machten wir uns dann kurz nach unserem Frühstück gegen 10.15 h auf den Weg zur Bushaltestelle, die ca. 500 m vom Hotel entfernt lag. Auch hier fehlte uns irgendwie die Reiseleitung. Denn wer sich mit den Gepflogenheiten der Briten nicht auskennt, hat dann doch das Nachsehen. Zum Glück stand an der Haltestelle außer uns noch ein älterer Herr, der beim Kommen unseres Busses mit der Hand den Haltewunsch anzeigte. Hätten wir alleine da gestanden, wäre der Bus an uns einfach vorbei gefahren, weil wir nicht wussten, dass man dem Busfahrer signalisieren muss, dass man gerade mit seinem Bus mitfahren will.. So stiegen wir also ein und fuhren in die Innenstadt.
Leider ist vom alten Plymouth durch die Luftangriffe der Deutschen Bomber im Zweiten Weltkrieg nicht mehr viel übrig geblieben. Überall sieht man nur modernere Häuser, ganz selten mal eine Fassade, die erahnen lässt, wie es einmal ausgesehen haben mag.
In der Hafengegend (Barbican), in der Nähe der Zitadelle, gibt es einige Reihen kleinerer Häuser, enge Gassen, kleine Plätze, und an mancher Stelle hätte man meinen können, man wäre im Süden Europas. Dazu fehlte an diesem Tag nur leider die Sonne, Gegen Mittag zeigte sie sich dann doch noch, gerade rechtzeitig vor Beginn der Parade, die im Gedenken an jemanden abgehalten wurde, dessen Namen ich schon wieder vergessen habe.
Von Plymouth aus stachen 1620 die kalvinistischen Pilgrams mit der Mayflower in See, um nach Amerika zu fahren und dort ein neues Leben zu beginnen. In der Stadt erinnert man sich auch an James Cook, der die Südhalbkugel der Erde erkundete und Neuseeland umrundete oder an Sir Francis Drake, den Weltumsegler.
Sonntag, 18.05.2008
Heute stieg nun auch die versprochene Reiseleitung zu. Sie erklärte sehr viel im Bus, machte uns vertraut mit Daten und Fakten und erzählte Anekdoten. Rechts und links der Straße sah man durch Hecken eingezäunte Wiesen, auf denen Schafe weideten. Auch die Straßen selbst waren meist durch hohe Hecken begrenzt. Da konnte man schon froh sein, nicht in einem PKW zu sitzen. Denn dann hätten wir lediglich auf die Hecken rechts und links sehen können. Von unserer höheren Warte aus sahen wir über die Hecken hinweg und konnten uns an dem Grün erfreuen. Die Reiseleiterin erklärte uns, dass die Hecken eigentlich begrünte Mauern sind. Und dann sahen wir auch Hecken, die im Aufbau begriffen waren, d.h. Mauerwerk, auf das man Erde gelegt hatte, damit es grün wird; und den Rest macht die Natur. So entstanden die geradlinigen grünen „Hecken“ in Cornwall. Wir fuhren nach St. Ives, wo Rosamunde Pilcher zur Schule ging und wo ihre Romane spielen. Dabei kamen wir auch an ihrem Geburtsort vorbei. Unsere Reiseleiterin erzählte uns, dass Rosamunde Pilcher in England überhaupt nicht bekannt sei, dass ihre Bücher nur in Deutschland bekannt seien und von deutschen Produktionen verfilmt wurden, dass nur deutsche Filmteams eingeflogen werden, um ihre Geschichten an Originalschauplätzen umzusetzen.
In England verbindet man Cornwall lediglich mit Jane Austen, Charles Dickens, Daphne du Mauriers oder William Turner.
Wir probierten in St. Ives das sogenannte Original der Cornish Pasty, einer Blätterteigpastete, die mit Fleisch, Kartoffeln und Gemüse gefüllt verkauft wird. Angeblich stammt der Ursprung der Pastete daher, dass die Bergarbeiterfrauen ihren Männern, die 12 Stunden unter Tage arbeiteten, etwas nahrhaftes zum Essen mitgegeben haben. Sie haben die Pasteten mit einem dicken Teigrand gebacken, damit die Männer sie mit ihren schmutzigen Händen am Rand anfassen und einfach rein beißen konnten. Den schmutzigen Teigrand warfen sie dann fort. So die Geschichte.
Sie war auch wirklich lecker. Beinahe jeder Laden verkauft die Cornish Pasty in St. Ives in verschiedensten Varianten von Füllungen.
Was uns ausgezeichnet gefiel waren die Sandstrände, die Felsen, die Buchten, der Hafen, der bei Ebbe ein weiterer Sandstrand für den Ort ist. Hier hätten wir bleiben können, wir fanden die Landschaft herrlich. Leider hatten wir nicht mehr Zeit als für eine kurze Wanderung durch den Ort, bevor wir wieder hoch kraxelten zum Parkplatz, auf dem unser Bus wartete.
Und weiter ging die Fahrt nach Land's End, ans äußerste Ende Englands im Südwesten.
Am Land's End vermischen sich das Wasser des Kanals mit dem des Atlantiks, und durch die Einwirkung des Sonnenlichts schillert das Wasser in den schönsten Farben.. Steile Felsen trutzen den anrollenden Wellen. Über einer Bucht hatte man eine kleine Hängebrücke installiert, die leider inzwischen nicht mehr sicher und deshalb gesperrt ist. Restaurants machen darauf aufmerksam, dass sie das erste bzw. letzte Restaurant in England sind (je nachdem, von wo man kommt). Felsplatten, die wie Sandwiches aufeinander gestapelt an der Steilküste stehen, reizen zum Besteigen. Es gibt verschiedene Schwierigkeitsgrade bei den schmalen Pfaden, auf denen man oberhalb des Meeres laufen kann. Leider hatten wir nicht so viel Zeit, wie wir gerne gehabt hätten, um eine längere Wegstrecke zu gehen, weil der Busfahrer die Abfahrtszeit vorgegeben hatte.
Auf all den Wegstrecken, die wir gefahren sind, sahen wir immer wieder die wunderschönsten Rhododendren, meist mit bläulichen oder rosa Blüten, oft einige Meter hoch, mehr Bäume als Sträucher.
Unsere
Fahrt ging weiter nach Penzance und zum St. Michael's Mount, der uns
sehr an Le Mont St. Michel in der Normandie erinnerte. Wir genossen
die Sonne und den blauen Himmel und machten einen Spaziergang über
den wunderschönen Sandstrand. Dann ging es wieder zurück
nach Plymouth.
Montag,
19.05.2008 Die
Fahrt führte uns ins Dartmoor, eigentlich Dartmoor Forest, eine
Hochmoorlandschaft, die leider kaum noch bewaldet ist, weil man
früher die ganzen Eichen für den Schiffsbau brauchte. Eine
wunderschöne Landschaft, die von Kilometer zu Kilometer
unterschiedlich aussieht. Manchmal wirkt sie wie eine Steppe, dann
ist wieder alles ganz grün, wechselt zwischen Wiesen, auf denen
Schafe weiden und winzigen Wäldchen. Es gibt uralte Brücken,
auch ganz einfache Konstruktionen aus Natursteinen, die eiskalte
Bäche überspannen; dort wachsen herrliche Blumen und
Büsche. Wir waren begeistert davon und hätten uns eine
Wanderung in dieser Gegend gut vorstellen können. Die höchste
Erhebung ist ca. 600 m über dem Meeresspiegel. Das heißt,
es ist eine schöne wellige Landschaft ohne schroffe Berge.
Unsere
Weiterfahrt brachte uns nach Stonehenge, dem geheimnisvollen, 5000
Jahre alten Steinkreis, bei dem noch immer gerätselt wird, wozu
er wohl diente. Wir bekamen am Eingang ein Gerät in die Hand,
das uns die wichtigsten Fakten auf dem Weg um die Steine erklärte.
Die Fragen, warum die Menschen der damaligen Zeit diese wahnsinnige
Mühe auf sich genommen hatten, so unendlich schwere Steine
riesige Strecken heran zu schaffen, um sie genau dort aufzustellen,
und warum man aus der näheren Umgebung noch größere
Steine auswählte, die man dann in einen Außenkreis
stellte, oder warum die Freiräume zwischen den großen
Steinen jeweils genau einen Monat kennzeichnen und das Sonnenlicht
genau vier Wochen später durch den nächsten Spalt scheint,
warum genau zu den Sonnenwenden das Licht durch einen bestimmten
Stein scheint: all diese Fragen sind nicht geklärt. Die Anlage
muss jedoch so wichtig gewesen sein, dass die Menschen sie
jahrhundertelang pflegten. Viele sagen, es sei eine astronomische
Anlage. Sie sei wegen der Aussaat wichtig gewesen. Andere meinen, es
sei ein Heiligtum gewesen, zu dem die Menschen von überall her
hin pilgerten. Manch einer meint heute, da die Steine sehr schnell
Wärme aufnehmen, dass sie vielleicht zu Heilzwecken aufgestellt
worden sein könnten.
Auf
jeden Fall hat die Anlage auf uns einen großen Eindruck
gemacht. Die Erdwälle drumherum, in denen man Reste von einer
Vorgängeranlage aus Holz gefunden hatte, die Steine, die eine
bestimmte Richtung beschreiben, der sogenannte Blutstein, der in
einer Rinne liegt, die vielen Hügelgräber, die sich in
näheren und weiteren Kreisen um die Steinanlage gruppieren, das
alles sind Geheimnisse, die der Phantasie Raum geben. Leider
durfte man nicht an die Steine ran, weil es in den letzten
Jahrhunderten viele Menschen gab, die sich Stücke als Erinnerung
herausgeschlagen haben.
Unsere
Weiterfahrt führte uns nach Bournemouth, wo wir in einem etwas
eigenen Hotel, The Carrinton House Hotel, übernachteten.
Nach
dem Abendessen machten wir noch einen kurzen Spaziergang zum
wunderschönen, fein sandigen Strand. Überall wurde gebaut
und verschönert. Doch leider gab es nirgendwo in Strandnähe
ein Pub, in dem man den Abend hätte ausklingen lassen können.
Und das einzige Restaurant in Strandnähe hatte geschlossen. So
wollten wir es uns in der Hotelbar bequem machen, doch nach jeweils
einem Bier und Shandy verließen wir die Bar wieder, da die
Klimaanlage ein kühles Lüftchen durch den Raum blies.
Dienstag,
20.05.2008 Unsere
Fahrt ging nach Salisbury. Wir besuchten die Kathedrale, die den
höchsten Kirchturm in England haben soll. Im Innern steht eine
600 Jahre alte Uhr, die seit einer Reinigung vor wenigen Jahrzehnten
noch immer geht. Neben der Kathedrale stehen alte Fachwerkhäuser,
die als Schul- und Wohnhäuser dienten. In einem dieser Häuser
wurde durch einen Bischof ein Witwenheim eingerichtet, in dem die
Witwen von Geistlichen wohnen durften. Er selbst war wohl als junger
Geistlicher verliebt in eine hübsche Frau, die sich allerdings
mit einem anderen Geistlichen verheiratete. Indessen hatte er
Karriere gemacht. Als nun die Frau Witwe wurde, fragte er sie, ob sie
ihn nun heiraten würde. Aber sie gab ihm wieder einen Korb.
Seine Liebe war aber so groß, dass er dieses Heim für sie
und viele andere Frauen schuf. Anschließend
fuhren wir nach Winchester, um uns die dortige Kathedrale
anzusehen. In Winchester liegt die Schriftstellerin Jane Austen
begraben. Das Kirchenschiff ist sehr hell und geräumig und hat
eine gute Atmosphäre Leider hat sie Fundamente aus Kalkstein,
die das Grundwasser in Mitleidenschaft zieht. Einem Mann, der fünf
Jahre lang versucht hat, die Kathedrale trocken zu legen und deshalb
die meiste Zeit mit seinem Taucheranzug unter Wasser arbeitete, ist
in und vor der Kirche jeweils ein Denkmal gesetzt. Wenn man in die
Krypta hinab steigt, sieht man die Feuchtigkeit in den Bodenplatten
und an den Wänden. Im Kirchenschiff platzen von den
wunderschönen hohen Säulen Stücke aus dem Kalkstein
heraus. Da ist es kein Wunder, das der Eintritt in dieses Gotteshaus
so hoch ist. Schließlich muss das Gebäude dringend saniert
werden. Als wir die Kirche wieder verließen, sahen wir
Handwerker mit einer schweren Holzkonstruktion eine Außenwand
stabilisieren. In
der Innenstadt gibt es eine riesige Uhr, die jeden Tag um 20.00 Uhr
läutet. Sie erinnert an eine Zeit, als die Häuser in
Winchester aus Holz gebaut waren. Bei einem großen Brand wurde
die ganze Stadt vernichtet. Damit das nie wieder passiert,
installierten die damaligen Stadtherren eine große Uhr, die die
Bewohner daran erinnerte, um 20.00 Uhr alle Feuer in ihren Häusern
zu löschen.
Unsere
letzte Übernachtung war in Brighton in einem uralten und
renovierungsbedürftigen Hotel, Langfords Hotel, an dem sie
gerade Bauteil nach Bauteil instand setzen. Es war das schlechteste
Hotel der Reise. Es war ein Hotel, das aus mehreren Gebäudeteilen
bestand, die teilweise nur bis zur vorletzten Etage miteinander
verbunden waren. Wir wohnten im obersten Stockwerk und verliefen uns
des öfteren, bevor wir die richtige Treppe fanden, die uns zu
unserem Flur und Zimmer brachte. Der Fahrstuhl ging nur bis zur
vorletzten Etage und wir mussten die Koffer die Treppe hoch tragen Es
waren viele alte Mitreisende dabei, denen das nicht leicht fiel.
Das
Hotel lag nur ein paar hundert Meter vom Strand entfernt, den man von
unserem Dachzimmer aus sehen konnte.
Bei
einem abendlichen Spaziergang fanden wir dann zum ersten Mal auf
unserer Reise in der Nähe des Hotels ein Pub, sogar ein
Nichtraucher-Pub, das geöffnet hatte.
Mittwoch,
21.05.2008 Wir
gingen nach dem Frühstück noch einmal kurz zum Strand, der
hier nicht wie in Bournemouth aus feinem Sand, sondern nur aus mehr
oder weniger großen Kieseln besteht. Dort fanden wir sogenannte
Hühnersteine, Steine, in denen durchgehende Löcher sind,
durch die man ein Band ziehen kann, um sie aufzuhängen. Das
sollen Glückssteine sein. Wir hofften, dass sie zumindest ein
gutes Omen wären für den Rest unserer Reise.
Wir
fuhren an diesem letzten Tag parallel zum Meer in Richtung Dover,
vorbei an Hastings und Folkestone, beides wunderschöne
Hafenstädte, bei denen sich ein Besuch noch mal lohnen würde.
Dover hat eine wunderschöne Festungsanlage mit Kasematten in den
Kreidefelsen, wo wir leider nicht hin kamen. Und
dann standen wir in Dover im Hafen, um uns hinüber aufs Festland
schippern zu lassen. Unser Fahrer kam von der Anmeldung zurück
und sagte, da geht heute nichts mehr. Alles lachte. Nein wirklich,
sagte er, die französischen Fischer bestreiken die gesamte
Küste, da kommt kein Schiff durch. Die lassen in Calais
niemanden an Land, also braucht die Fähre erst gar nicht in
Dover abzulegen.
Toll!
Etwas frustriert aßen wir im Hafenbereich von Dover ein
Würstchen mit Brot aus dem Bestand von Kylltalreisen, stiegen
wieder in den Bus und fuhren bis Canterbury. Damit hätten wir
nun gar nicht gerechnet. Hier sollten wir abwarten, was sich die
Gesellschaft würde einfallen lassen, um uns doch noch nach Hause
zu holen. Nun hatten wir Zeit für Canterbury, die Stadt mit der
berühmtesten Kathedrale Englands, deren Erzbischof der
Hausgeistliche für die königliche Familie ist.
Von
hier aus hätten wir dann eventuell eine Fähre von Ramsgate
nach Ostende bekommen können. Aber laut unserem Fahrer dürfen
auf diese Fähre keine Busse! Den Mitreisenden wäre es wie
auch uns lieber gewesen, wir wären mit dem Zug durch den Tunnel
gefahren. Aber das war angeblich nicht möglich, weil zu viele
Voranmeldungen dafür vorliegen würden. Also besichtigten
wir die Altstadt von Canterbury und warteten darauf, was uns der
Busfahrer erzählen würde, wie es denn weiter gehen sollte. Vom
Parkplatz liefen wir den sidewalk entlang eines Bächleins, das
uns geradewegs in die wunderschöne Altstadt führte. Wir
hatten zudem das Glück, die Stadt bei herrlichem Sonnenschein zu
erleben.
Als
wir zu der angegebenen Zeit wieder am Bus ankamen, war die einzige
Information, die wir dann von unserem Busfahrer Rudi bekamen, dass
wir noch einmal, und zwar in Colchester, nordöstlich von London
gelegen, in einem Holyday-Inn-Hotel auf eigene Kosten übernachten
müssten und dass die Übernachtung mit Frühstück
pro Person 82,00 € kosten würde. Und da die Überfahrt
dann von Harwich nach Hoek van Holland bei Rotterdam ginge, wären
auch für die längere Fahrt mit der Fähre noch
zusätzlich 15,00 € pro Person zu zahlen, oder aber 20,00 Pfund
Sterling. Das war dann weniger schön. Denn wir hatten keine
Wahl, was das Hotel oder den Preis anging, hatten keine Möglichkeit,
vorher noch einmal Geld am Automaten oder der Bank zu holen. Und so
waren wir etwas überrascht, dass im Bus die gesamte Summe (uns
kam es wie Straßenräuberei vor) einkassiert wurde, als ob
es ein Trinkgeld für jemanden wäre. Wir zahlten in Pfund
die zusätzlichen Kosten für die Fähre. Aber für
Übernachtung und Frühstück reichte unser Bares nicht.
Obwohl
wir einerseits froh darüber waren, dass man für uns ein
Hotel aufgetrieben hatte, in dem wir bis zur Abfahrt mit der Fähre
bleiben konnten, empfanden wir es andererseits aber auch als eine
Zumutung, davon auszugehen, dass sich jeder eine so teure
Übernachtung leisten konnte. Und dann sollte man am eigentlich
letzten Urlaubstag auch noch einen so hohen Betrag in der Tasche
haben. Schließlich kamen für zwei Personen 194,00 €
zusammen. Wir
nehmen nie viel Bargeld mit auf Reisen. In diesem Fall war ja auch
der größte Teil der Reise bereits bezahlt, wir waren quasi
auf der Rückreise und hatten nicht damit gerechnet, noch einen
solchen Betrag zu brauchen. Notfalls hätten wir an Automaten
Geld ziehen oder mit Scheck- oder Kreditkarte zahlen können. Da
aber unser Fahrer vorher nichts davon gesagt und keine Bank
angefahren hatte, standen wir nun ziemlich blöde da. Wir baten
deshalb darum, dass das Reiseunternehmen in Vorleistung treten solle
und uns anschließend eine Rechnung zuschicken könnte. Das
lehnte man ab und meinte, das würde die Gesellschaft nicht
machen, weil dann sicher viele nicht zahlen würden. Wir fühlten
uns von da an nicht mehr sehr wohl. Es
wunderte uns allerdings, dass die meisten Reisenden noch Hunderte von
Euro oder/und Pfund in den Taschen versteckt hatten und klaglos
zahlten. Bis dann jemand mal nachrechnete und feststellte, dass
diejenigen, die mit Euro bezahlt hatten, pro Person 12,50 € mehr
gezahlt hatten als die, die mit Pfund gezahlt hatten. Der Fahrer
erklärte, der schlechte Umrechnungskurs läge daran, dass
aus planerischen Gründen die Gesellschaft zu Beginn eines Jahres
den Kurs festlegen würde, damit sie kalkulieren könnte. Auf
Drängen einiger Personen wäre Kylltalreisen aber so kulant
und würde die Kursdifferenz für seine Reisenden auffangen.
Und so wurde dann der Betrag von 10,00 € pro Person von
Kylltalreisen zurück erstattet. Und
wir mussten, weil man uns keine Rechnung schicken wollte, in den
sauren Apfel beißen und an einem fremden Bankautomaten in
Bitburg den Betrag ziehen, der dann durch die Bearbeitungsgebühr
noch um ein paar Euro teurer wurde.
Eigentlich
war es ein schöner Kurzurlaub. Aber die Umstände zum
Schluss der Reise machten uns dann doch etwas traurig. Wenn es jetzt
Schulkinder gewesen wären, die nicht hätten bezahlen
können, hätte man die etwa in England gelassen? Oder hätte
man in diesem Fall eine Jugendherberge aufgesucht oder die Kinder im
Bus übernachten lassen? Oder vielleicht doch den Eltern nach der
Heimkehr eine Rechnung über die Mehrkosten geschickt? Jedenfalls
hat uns diese Geschäftspraktik von Kylltalreisen nicht gefallen.
Auch nicht, dass die in den Leistungen im Katalog beschriebene
„durchgängige Reiseleitung“ fehlte. Denn die stieg erst am
4. Urlaubstag zu. Wir hätten sie aber gerne schon am 2. Tag in
Exeter dabei gehabt, denn es hätte auch dort eine Menge zu
erklären und zu zeigen gegeben. So mussten wir uns alles selbst
erarbeiten. Wobei sich die Frage stellt, ob wir die durchgängige
Reiseleitung nicht eigentlich mitbezahlt haben?! Niemand
konnte etwas für den Streik der Fischer vor der französischen
Küste, weder der Reiseveranstalter Kylltalreisen noch wir, die
Reisenden. Streik ist „Höhere Gewalt“.
Und
da kann man nur hoffen, dass Reiseveranstalter ehrlich und korrekt
mit ihren Fahrgästen umgehen. Montag,
26. Mai 2008
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