Spanisches Festland


Ihr seid herzlich eingeladen, jederzeit. Das waren die Worte meiner Cousine. Viele Jahre

hatte sie uns eingeladen, ohne dass wir der Aufforderung, sie zu besuchen, gefolgt wären.

Und nun, am 1. Mai 2010, kam wiederum die Einladung. Wir bedankten uns dafür und

dachten zum ersten Mal richtig darüber nach. Warum sollten wir nicht schon in diesem

Jahr hinfahren, fragten wir uns. Kurz entschlossen meldeten wir uns telefonisch bei ihr an

und hatten sie wohl total überrascht. Wir wunderten uns, wieso sie sich nicht so freute, wie

wir es erwarteten. Kein Wunder! Wir wussten ja nicht, dass sie einen riesigen Nutzgarten

mit einer Menge Arbeit hatte. Und es war ja Herbst, wenn wir kommen würden. Aber sie

sagte nur, kommt erst mal, dann sehen wir weiter.

Wir steckten den Zeitrahmen unseres Spanienaufenthaltes fest, wollten vom 7. - 30.

September 2010 nach Spanien fahren, um auch viel zu sehen und zu erleben. Und es

wurde ausgemacht, dass wir vom 12. - 30.09. in Guadalupe sein würden. Auf unsere

Nachfrage, ob der Zeitraum nicht zu lange wäre, wurde nur gesagt, wir sollten erst mal

kommen, dann würde man weiter sehen. Also planten wir weiter.



Der Lufthansaflug wurde als erstes gebucht. Wir bezahlten schon Monate im voraus den

Hin- und Rückflug. Dafür war er sehr, sehr preiswert: 206,00 € für zwei Personen. Die

Bahnfahrt zum Flughafen kam noch hinzu, auch frühzeitig gebucht: knapp 50,00 € für zwei

Personen. So könnte das weiter gehen, dachten wir. Aber der Mietwagen von AVIS riss

dann doch ein größeres Loch in unser Budget: knapp 400 € für 18 Tage. Dafür war es ein

schnuckeliges kleines Gefährt mit Klimaanlage, ein kleiner Seat, der auf uns direkt einen

sicheren Eindruck machte.



Dienstag, 07. September



Die Bahnfahrt klappte reibungslos, das Check-in problemlos, der Kaffeeautomat im

Lufthansa-Wartebereich schmeckte super, und er war kostenlos. Ein starker Regen ging

über Frankfurt nieder, als wir mit Verspätung starteten. Die französischen Fluglotsen

streikten mal wieder. Wir kamen etwa 2 Stunden verspätet in Madrid an. Durch viele Flure

des Flughafens ging es dann zur Metro. Wir kauften gleich Touristentickets für 5 Tage, so

dass wir nach Belieben hin und her fahren konnten.

Als wir an der Gran Via ankamen, waren wir schon ein paar Mal umgestiegen, von einer

Linie in die nächste. Nun standen wir vor unserem Hotel an der Gran Via, dem Hotel Rex.

Man musste schon genau hinsehen, um den Hoteleingang zu finden. Neben dem Haus

stand eine Ruine, in dem früher wohl mal ein Kino „Rex“ gewesen war. Wir schleppten

unsere Koffer die Treppe hinunter (!) zur Rezeption. Von dort ging es dann mit dem

Aufzug hinauf zu unserem schönen, großen Zimmer, das nach hinten raus ging. So

wollten wir uns den Straßenlärm ersparen. Und das war auch gut so.

Nach einer ruhigen Nacht erwartete uns ein exzellentes Frühstück. Da blieb kein Wunsch

offen. Die Qualität des Orangensaftes hätte vielleicht etwas besser sein können. Aber

dafür entschädigte ein guter Kaffee und ein äußerst leckerer luftgetrockneter spanischer

Schinken.

Die Anbindung an die Innenstadt war einfach super. Man konnte zu Fuß zum Schloss

laufen, mehrere Metrostationen waren in der Nähe: Gran Via, Callao, Puerta del Sol, Plaza

de Espana.

Nach einem Tipp landeten wir in einem von überwiegend Spaniern besuchten Lokal, in

dem wir einige Abende zum Essen gingen.



Mittwoch, 08. September



Wir besuchten den Prado, das größte Museum in Madrid. Auf dem Weg dahin

bewunderten wir die phantastischen Jugendstilfassaden. Und dann standen wir vor dem

gewaltigen Bauwerk, erstanden Tickets und waren begeistert. Aus dem Internet wussten

wir schon, dass es in Spanien preiswerter ist, ins Museum zu gehen als bei uns. Rentner

bezahlen entweder weniger oder gar nichts. Das kann man sich kaum vorstellen! Uns

gefiel es. Wir liefen durch viele Gänge und Räume, nahmen eine ganze Menge Eindrücke

in uns auf, bis wir irgendwann müde aufgaben. Zum Glück hatten wir noch keine Tickets

für die Turner-Ausstellung gekauft, die uns eigentlich auch lockte. Die wollten wir uns für

ein anderes Mal aufheben. Wir hatten Hunger und gingen in ein Lokal an der Plaza St.

Ana. Der Kellner war unfreundlich, das Essen teuer.

Nach einem Mittagsschlaf erkundeten wir einen anderen Bereich der Altstadt und gingen

Richtung Schloss, dann zur Oper.



Zum Abendessen suchten wir uns wieder ein Lokal aus, das wir besser links liegen

gelassen hätten. Wir bestellten eine spanische Tortilla, kannten wir sie doch schon seit

Jahrzehnten, in denen wir immer wieder mal in Spanien waren. Wir freuten uns sehr

darauf. Und dann die Überraschung: sie war lauwarm, an manchen Stellen eiskalt. Da

hatte die Mikrowelle wohl nur halbe Arbeit geleistet, und der Gastronom gar keine. Wir

reklamierten das Essen und bekamen nach einer guten halben Stunde eine leckere, frisch

gemachte Tortilla. Da die Bedienung ziemlich muffig war, gingen wir auf einen Kaffee noch

zu Mc Donald. Wie gut, dass es den überall gibt. Da kennt man sich ja aus und kann sogar

mal auf die Toilette gehen, wenn es pressiert.



Donnerstag, 9. September



Das nächste Museum wartete auf uns: Reina Sofia. Dort erwartete uns das raumfüllende

Bild von Guernica und Saal um Saal eine riesige Menge von Picassos Werken in groß und

klein. Viele Menschen drängten sich an den Gemälden vorbei und ließen kaum den Blick

frei auf etwas, dass einen interessierte. Mir fehlten dort Sitzmöglichkeiten, um Bilder auf

mich wirken zu lassen. Und so waren wir irgendwann froh, aus dem Gedränge wieder an

die frische Luft zu kommen.



Aber das war noch nicht alles, was wir sehen wollten. Das Museum Thyssen-Bornemisza

lockte uns. Es war ganz in der Nähe. Und so liefen wir zu Fuß hin.

Zunächst schauten wir uns die alten Meister mit Gemälden aus dem 15. Jahrhundert an.

Aber uns trieb es weiter, wir wollten etwas Moderneres sehen. Und dann standen wir vor

Toulouse-Lautrec, Monet usw.. Einfach wunderschön! Die Räume waren nicht überfüllt

und wir hatten Muße, uns alles in Ruhe anzusehen.



Von dort liefen wir dann auch noch zu Fuß durch die Altstadt zurück über die Puerta del

Sol bis zu unserem Hotel. Unser Restaurant O'Faro Finisterre vom 1. Tag fiel uns wieder

ein, in dem wir eine gute Paella gegessen hatten. Nun wollten wir mal etwas Galizisches

probieren. Wir bekamen mit grobem Salz bestreute und nur kurz angebratene

Fleischscheiben, die wir auf einem Grill, der vor uns auf den Tisch gestellt wurde, zu Ende

braten konnten. Es schmeckte sehr lecker!



Freitag, 10. September



Unser vierter Tag in Madrid. Wir wollten gerne nachholen, was wir am ersten Tag nicht

geschafft haben: die Turner-Ausstellung. Also fuhren wir wieder Richtung Prado und

besuchten die Ausstellung. Man kann tatsächlich die Entwicklung des Malers

nachvollziehen in seinen Werken, sieht die verschiedenen Einflüsse, bis er sich bei seinen

späten Bildern vom alt Hergebrachten fast ganz frei machte und für seine Zeit ungeheuer

modern malte. Uns gefielen diese „modernen“ Bilder am besten. Aber das ist Geschmacksache.

Nach einem kleinen Mittagssnack machten wir uns auf, den Retiropark zu erobern. Wir

bewunderten den künstlich angelegten See und zwei Paläste, in denen Ausstellungen

waren. Vor allem hatte es uns der Kristallpalast angetan. Müde fuhren wir anschließend

mit dem Bus in die Stadt zurück. Wir aßen eine Kleinigkeit „un bocadillo“ und tranken ein

Radler „una clara“. Wir brauchten erst mal eine Pause.



Fitter geworden ging es zu einem Altstadtspaziergang. Wir wollten uns die Oper einmal

genauer ansehen und den Spielplan. Auf der Straße gab es eine Oldtimer-Ausstellung.

Wir kauften Ansichtskarten, um die Lieben daheim ein wenig teilhaben zu lassen an

unserer Reise. Dazu brauchten wir aber auch Briefmarken, die in keinem Tabakladen zu

kriegen waren. Zum Glück gab es im „Corte Ingles“ eine Poststelle, wo man Briefmarken

kaufen konnte. Und dann fanden wir keinen Briefkasten. Gut, in der Hauptpost, nahe des

Prado, hätte es sicherlich einen gegeben, oder wir hätten wieder zurück ins Corte Ingles

gemusst. Also fragten wir an der Rezeption im Hotel nach. Lange Gesichter, Nachdenken

zeichnete sich ab. Sie wussten auch nicht, wo es einen Briefkasten gäbe. Wir durften die

Karten an der Rezeption lassen, die junge Frau, die uns schon das Lokal empfohlen hatte,

wollte sie weiter schicken. (Was sie auch tat, denn sie kamen alle an!)



Samstag, 11. September



Die sogenannte „Weiße Nacht“ wurde vorbereitet. Museen waren bis nachts geöffnet,

Behörden luden ein, sich alles anzusehen, die Gran Via wurde nachmittags gesperrt,

Bühnen aufgebaut.

Wir fuhren zum Atocha-Bahnhof. Er ist nicht von nur außen sehenswert. In seinem Innern

ist ein Tropischer Garten. Einfach wunderschön! Und daran angebaut ist der moderne

Bahnhof, von dem auch die Schnellzüge, die AVE's nach Toledo, Cordoba oder Sevilla

fahren.



Sonntag, 12. September



Nun war der Tag gekommen, an dem wir unseren Mietwagen an der Gran Via, schräg

gegenüber unseres Hotels, abholen konnten. Er war in einer Tiefgarage geparkt, in der es

unendlich heiß war. So hatten wir keine Lust, uns länger als nötig darin aufzuhalten und

warfen kurzerhand einen Koffer in den Kofferraum, den anderen auf den Rücksitz. Später

würde sich sicher eine Gelegenheit finden, beide Koffer im kleinen Kofferraum unterzubringen.

Aber jetzt wollten wir endlich los in Richtung Extremadura nach Guadalupe. Wir hatten uns schon

zu Fuß angesehen, wohin wir am besten in Richtung Autobahn fahren mussten.

Und so war es kein Problem, aus der Stadt heraus zu kommen und direkt auf die entsprechende

Autobahn zu fahren. Es ist eine sehr gute Autobahn, die uns Richtung Portugal führte.

Bei Navalmoral de la Mata fuhren wir auf die Landstraße Ex 118 ab, die uns direkt zu unserem Ziel

brachte. Die Straße war vorzüglich ausgeschildert. Wir hatten nicht gewusst, wie gut Straßen in

Spanien ausgebaut und beschildert sind. Daher hatten wir unser Navi mitgenommen. Sicher ist

sicher, hatten wir gedacht.



Am Ortsanfang von Guadalupe wollte meine Cousine auf uns warten, um uns zu ihrem

Zuhause zu lotsen. Wir durchfuhren engste Gäßchen, in denen man sich kaum drehen

und schon gar nicht wenden kann, außer an einer engen Kreuzung. Und in so einem

Gäßchen, stand auch das Haus, in dem wir ein paar Wochen Urlaub machen wollten.

Damit man leichter wieder wegfahren könnte, wurde der Wagen rückwärts eingeparkt.

Später stellten wir fest, dass wir jedesmal, wenn wir den Wagen bewegen wollten, die

Nachbarn bitten mussten, ihre Wagen für einen Moment weg zu fahren. Auf Dauer wäre

das für uns unmöglich. Aber meine Verwandten haben sich seit 22 Jahren an den Zustand

gewöhnt.



An unserem ersten Abend im Ort gingen wir in ein Lokal an der Hauptstraße eine

Kleinigkeit essen. Es sollte eine Spezialität sein und sie schmeckte ausgezeichnet.

Von nun an begann für uns die Zeit der Eingewöhnung. Alles war neu: der Ort, die

Gassen, die Kirche, die Bräuche, extremadurisches Spanisch, meine Verwandtschaft in

dieser Umgebung und in diesem Haus.



Montag, 13. September



Daher war es nötig, sich den Ort einmal genauer anzusehen. Und nicht nur den. Auch das

verwinkelt gebaute Haus und der riesige Garten musste erst einmal kennen gelernt

werden. Wir sahen förmlich die Arbeit, die der Garten machte. Die Mandeln waren reif,

Feigen, Äpfel, Walnüsse, Trauben. Alles wartete darauf, geerntet zu werden. Aber dass

die ganze Arbeit wegen uns liegen bleiben musste, machte unseren Aufenthalt nicht

gerade einfach.



Dienstag, 14. September



Die Nachbarn wussten Bescheid, der Weg war frei, und so konnten wir in Richtung Trujillo

fahren. Trujillo, Ort der Konquistadoren. Pizzaro, der 1478 in dieser Stadt geboren

wurde und seinerzeit das Inkareich eroberte sowie viele andere kamen aus diesem Ort.

Sie alle wollten fremde Länder erobern, Gold finden, reich werden. Einige bezahlten ihren

Heldenmut mit dem Leben, andere wurden nach ihrer Rückkehr in den Kerker geworfen.

Aber einige kamen mit Gold zurück und wurden reich. Sie bauten die größten Paläste in

Trujillo, die noch heute davon zeugen.



Der Ort hat eine wunderschöne Plaza, die Plaza Mayor. Von dort hat meinen einen guten

Blick auf die Kirche St. Maria de Mayor mit dem breiten Treppenaufgang zur einen Seite,

und wunderschöne alte Häuser ringsherum. Oberhalb am Berg liegt die Burg Alcazaba de

Trujillo. Von dort oben hat man einen wunderschönen Blick auf den Ort mit seinem

Zentrum, der Plaza Mayor.



Mittwoch, 15. September



Wir bedauerten meine Cousine, dass soviel Arbeit im Garten war. Einsprüche, dass wir

nicht helfen könnten, ließen wir nicht gelten. Und so stürzten wir uns mit Elan in die Arbeit.

Mandeln wurden von den Bäumen geschlagen und in Körbe eingesammelt, Äpfel wurden

geerntet, geschnitten, gewaschen und eingekocht. Feigen vorsichtig geernet, genauestens

untersucht nach Schädlingen und dementsprechend in den einen oder anderen Korb

gefüllt. Anschließend wurden die guten Früchte zum Trocknen auf Steigen in die Sonne

gestellt. Und dann mussten einige Büsche und Hecken geschnitten werden, bevor der

Herbst mit Macht Einzug halten würde. Uns machte es Spaß, waren wir sowieso keine

Passivurlauber, die sich nur mit hochgelegten Beinen der Sonne entgegen strecken

wollten.

Und die Arbeit wurde verschönt durch besonders gutes Essen, das wir genießen durften

und ein Paar Runden Schwimmen im Pool, dessen Wasser durch die heiße Mittagssonne

noch immer Temperaturen zwischen 24 und 26 Grad hatte.



Donnerstag, 16. September



Wir hatten uns entschlossen, Merida kennenzulernen. Die Autobahn Richtung Badajoz

und Portugal war bald erreicht. Und so ging es wieder über eine schöne Straße bis in die

Stadt. Unser Navi war dabei und sollte uns nun auf den von der Verwandtschaft

angegebenen Parkplatz ganz in der Nähe des Museums bringen. Aber entweder hatte

man in Merida die Straßen verlegt oder zu Einbahnstraßen umfunktioniert, oder aber

unser Navi wollte uns veräppeln. Jedenfalls kamen immer falsche Anweisungen. Man

wollte uns in Einbahnstraßen dirigieren, gab Straßen an, die überhaupt nicht zu finden

waren usw.. Also schalteten wir das Wundergerät aus und sahen uns nach einem

Parkhaus um, das wir dann auch gleich fanden. Auch von dort war der Weg nur ein paar

Minuten, so dass wir noch rechtzeitig unseren Museumsgang machen konnten, bevor

Mittagspause war.



Das Museum ist wunderschön gebaut und beherbergt herrliche Mosaiken und vieles mehr

aus der Römerzeit. Als wir uns satt gesehen hatten, gingen wir noch in die Katakomben.

Der Weg, der früher einmal zum Amphitheater führte, war leider verschlossen. So mussten

wir das Museum verlassen, uns erneut Tickets kaufen, um in die Anlage um die Theater

zu gehen. Aber der Park ist sehr schön angelegt und es hat sich gelohnt, den Weg zu

machen. Wir waren ganz begeistert von dem Zustand des Theaters, in dem im Sommer

Aufführungen sind.



Nach einem guten und preiswerten Mittagessen fuhren wir auf einem Umweg über

Landstraßen am Embalse de Garcia vorbei wieder zurück nach Guadalupe. Wir waren

kurz vor dem Ort, als uns Polizei anhielt. Wir hatten ja ein spanisches Autokennzeichen,

so dass sie überrascht waren, dass es ein Mietwagen war. Sie fragten uns aus, ob wir

Deutsche wären, schmunzelten nach Kontrolle unserer Papiere und ließen uns wieder

fahren.

Das war ein wunderschöner und ausgefüllter Tag.



Freitag, 17. September



Die Gartenarbeit ging weiter. Noch immer war jede Menge Arbeit. Trotzdem musste auch

mal wieder eingekauft werden. So machten wir uns am Nachmittag auf den Weg ins Dorf.

Dort gab es einen Laden der Kette „Dia“, in dem man eine ganze Menge Sachen auch

außer Lebensmitteln finden konnte. Ansonsten gab es im Dorf noch Bäcker und Metzger,

bei denen man frisches Brot und gutes Fleisch kaufen konnte. Aber vor allem gab es, vor

allem an der Plaza vor der Kathedrale, eine Menge von Restaurants, die ihre Tische und

Stühle vor den Häusern stehen hatten und sich Konkurrenz machten beim Werben um die

Gäste.

Wir hatten einige Male bei dem gleichen Wirt gesessen. Der war sehr großzügig mit den

Tapas, die auch alle gut schmeckten. Zu jedem Getränk gab es ein Tapa. Mal waren es

Oliven, mal frittierte Krabben, mal gebackene Blutwurst (Morcilla), oder auch mal

Miniwürstchen im Speckmantel. Ein anderer Wirt gab nichts zu den Getränken dazu. Da

wurde schnell klar, wohin man gehen will.



Samstag, 18. September



Heute war der Tag, an dem wir das Kloster und die Kirche genauer besichtigen konnten.

Das heißt, wir gingen durch den Hintereingang, den nur bestimmte Menschen benutzen

dürfen, in den Innenbereich des Klosters. Dort gibt es ein Restaurant, das auch für

größere Gesellschaften gut gerüstet ist. Vor allem, weil es in einem der Innenhöfe viel

Platz gibt, um Gäste zu bewirten. Wir beobachteten eine Hochzeitsgesellschaft, die es

sich dort gut gehen ließ.



Der zweite Innenhof besteht aus einer Grünanlage, in deren Mitte ein Brunnen- oder

Wasserhaus nach arabischer Art steht. Die Funktion gibt es wohl nicht. Aber die Bauweise

drumherum zeugt von der Anwesenheit und der Lehre maurischer Baumeister

(Mudejarstil).



Nach diesem Spaziergang ging die Gartenarbeit weiter. Noch immer waren zu viele

Mandeln auf den Bäumen, und auch die Feigen fielen schon von alleine runter. Da musste

man höllisch aufpassen, auf keine zu treten. Die Schuhsohlen werden glitschig und auf

glatten Steinen rutscht man dann wie auf Glatteis. Also musste man zuerst mal den

Rechen holen und alles aus dem Weg räumen, was gefährlich werden könnte.



Sonntag, 19. September



Wir machten bei schönstem Sommerwetter einen Spaziergang oberhalb des Ortes. Der

Weg war gut angelegt worden, allerdings hatte ein starker Gewitterregen einige Tage

zuvor an manchen Stellen tiefe Spuren hinein gezogen. Vor einer kleinen Kate saß ein

sehr alter Mann, der uns interessiert zusah, bevor wir ihn erreichten. Als wir vor ihm

waren, begrüßte er uns auf Deutsch. Wir waren sehr überrascht und fragten ihn, woher er

denn Deutsch könne. Da erzählte er uns, dass er vor vielen Jahren für 7 Jahre in

Düsseldorf gearbeitet hätte.



Montag, 20. September



Gartenarbeit, Gartenarbeit, Gartenarbeit. Und noch immer ging es weiter mit den Mandeln

und Feigen. Wir wollten vorarbeiten, da wir noch gemeinsam einige Fahrten geplant

hatten. Aber es machte uns auch noch nach wie vor viel Freude, helfen zu können. Das

Wetter war wie meistens einfach nur toll, die Sonne schien, auch wenn nach dem

Gewitterregen die Temperaturen nicht mehr die Höhe wie zuvor erreichten. Aber es war

trotzdem noch immer schön warm.



Dienstag, 21. September



Unsere Fahrt ging nach Jarandilla de la Vera. Wir besuchten ein altes Klostergebäude, in

dem sich ein staatliches Parador befindet. Der Innenhof war traumhaft gestaltet, die

gesamte Anlage hatte ein besonderes Flair. In diesem Kloster hatte Kaiser Karl V. einige

Zeit verbracht, bevor sein Kloster in Yuste fertig war, in das er sich endgültig zurückziehen

wollte. Wir fuhren weiter nach Yuste. Wir besichtigten die Räume, in denen der Kaiser seine

letzte Lebenszeit verbracht hatte, sahen den Rollstuhl, den man dem an Gischt erkrankten

Herrscher zur Verfügung gestellt hatte, konnten die Sänfte betrachten, die von Männern

getragen oder aber auch auf einem Gespann befestigt werden konnte. Wir sahen

geschnitzte Truhen, in den die ganze Habe eines Herrschers untergebrachte gewesen war

zu seiner Zeit. Und dann war da das Schlaf-und Sterbezimmer von Karl V.. Er hatte es

sich extra so anlegen lassen, dass er vom Bett aus auf den Hochaltar seiner Kirche

schauen konnte.

Wir besichtigten dann auch die Kirche und die Sakristei.



Dann ging unsere Fahrt weiter nach Garganta la Olla. Dort gab es besonders guten Käse

zu kaufen. In einem sehr schönen Lokal aßen wir zu Mittag.

Auf dem Rückweg besuchten wir noch Plasencia, der Stadt am Rio Jerte. Die Plaza Mayor

mit den interessantesten Häuserfassaden und dem schönen Rathaus waren dort zu

bewundern.



Mittwoch, 22. September



Mandeln, Mandeln und wieder Mandeln. Körbeweise wurden Mandeln herunter

geschlagen und eingesammelt. Da blieb nicht viel Zeit für etwas anderes. Zwischendurch

das herrliche Essen, das meine Cousine täglich bereitete, und einen guten Wein dazu. Abends hatten

wir viel Muße zum Lesen.



Donnerstag, 23. September



Wir hätten schon mit dem AVE von Madrid aus nach Toledo fahren können. Fahrtzeit 1,5

Stunden. Aber da wir unser Quartier so lange in Guadalupe aufgeschlagen hatten, wollen

wir dem Wunsch nachkommen, gemeinsam nach Toledo zu fahren. Wir bekamen dadurch

eine ganz andere Strecke gezeigt, als die direkte Verbindung nach Toledo. Landschaftlich

ein Traum! Die Straße war in nicht so ausgezeichnetem Zustand, wie wir es von anderen

Straßen bisher gewöhnt waren. Und die Fahrt dauerte etwas länger. Aber es war

wunderschön.

In Toledo fanden wir einen Parkplatz im Parkhaus unterhalb einer Rolltreppe, die in

mehreren Etappen nach oben in die Stadt führt.

Die erste Anlaufstelle war natürlich die Kathedrale mit ihren drei Dornenkronen am Turm.

Die prachtvollen Altäre, die Seitenkapellen, das Museum mit seinen Schätzen atemberaubend.

Man konnte sich nicht satt genug satt sehen.



Toledo ist auch die Stadt des Marzipans. Wir mussten natürlich mal probieren, wie er

schmeckt. Er ist nicht so süß wie der meiste Marzipan in Deutschland und nicht so ganz

fein. Man hatte das Gefühl, immer noch irgendwie auf Mandeln zu beißen. Einfach lecker.

Nachdem wir einige Zeit durch die Straßen und Gassen gegangen waren, wurden die

Beine schwerer. Ein Halt war notwendig. Wir gingen in ein Restaurant und bekamen ein

Menü zu einem anständigen Preis.



Anschließend besichtigten wir noch einige andere Bauwerke von innen und außen. Doch

die Müdigkeit ließ sich nicht mehr vertreiben. Ein Kaffee musste her, vor allem für den

Fahrer, dem bald die Augen zufielen. Und dann ging es mit frischerem Kopf auf die

Heimfahrt.



Auch diesmal nicht über die Autobahn. Wir fuhren quasi parallel zur Autobahn, konnten so

einen Blick auf die Städte und Orte werfen, an denen man ansonsten nur vorbei rauscht.

Wie z.B. die Stadt Talavera de la Reina, die wir auf diese Weise kennenlernten. Talavera

ist Bahnstation, liegt direkt an der Autobahn, ist Durchgangsort. Aber auch dort wie in

vielen der Orte und Städte, die wir kennenlernen durften, sah man viele Gebäude im

Mudéjarstil.



Freitag, 24. September



Mandeln, Mandeln usw.. Aber heute waren auch wieder die Äpfel dran. Massenhaft,

eimerweise Äpfel. Trotzdem war es schön, bei dem tollen Wetter draußen zu sitzen und

etwas Sinnvolles tun zu können. Es machte überhaupt nichts aus, zu arbeiten. Auch wenn

viele sich das unter Urlaub nicht vorstellen können. Uns hat es gefallen.



Samstag, 25. September



Besichtigung mit Führung des Klosters Guadalupe. Viele, viele Pilger kommen gerade an

den Wochenenden, um hier die Messe mitzuerleben, um zu beten, um ein paar Tage der

Einkehr halten zu können. Viele Brautpaare heiraten hier, weil sie sich vielleicht einen

guten Start ihrer Ehe davon erhoffen.



Wir waren nur zu Gast und bewunderten die Orgel und das Orgelspiel, das erst mit und

durch die Initiative meiner Verwandten dort ermöglicht wurden. Wir hatten schon die

Kirche bewundert. Nun sollte es in Bereiche des Klosters gehen, die wir noch nicht

kannten. Es war eine sehr große Gruppe, die sich dem Führer angeschlossen hatte. Und

es ging natürlich alles auf Spanisch. Zum Glück konnte man sich an die Ausführungen, die

man vorher schon einmal gehört hatte, erinnern und da reichte es aus, sich alles

anzusehen.



Sonntag, 26. September



Nachdem wir das Kloster nun bereits mehrmals besichtigt hatten, sollten wir heute das

Restaurant kennenlernen. Wir bestellten uns, was wir wollten und waren sehr zufrieden

mit dem Essen. Durch die Verbindung unserer Verwandten mit dem Kloster bekamen wir

auch noch einen exzellenten Wein kredenzt, der besser war als der auf der Karte

angebotene.



Am Nachmittag machten wir eine Fahrt auf den Villuercas (1601 m hoch). Der Gipfel war

lange Zeit militärischer Sperrbereich und auch heute gibt es noch einige eingezäunte

Bereiche. Aber der Blick von dort oben war einfach grandios, und zwar nach allen Seiten.

Man konnte den aufgestauten Tajo (Embalse) sehen auf der einen Seite, einen anderen

Fluss und Stausee auf der anderen Seite. Man hatte das Gefühl, bis nach Portugal sehen

zu können. Die Sicht war sehr gut und die Bergketten stapelten sich bis in den Himmel

hinein.



Montag, 27. September



Unser vorletzter Tag in Guadalupe. Noch einige wenige Mitarbeit, dann wurden die Koffer

gepackt. Am nächsten Tag ging es wieder nach Madrid. Wir hatten aus dem Fernsehen

erfahren, dass am 29. September in Madrid ein Streik sein sollte. Da wir nicht genau

wussten, wer nun genau streikt, fanden wir es besser, schon einen Tag vorher in der Stadt

zu sein.



Dienstag, 28. September



Die Fahrt nach Madrid war sehr gut. Aber dann verirrten wir uns doch auf die M 30. Die M

40 wäre die richtige Straße gewesen. Nun fuhren wir durch die ganze Stadt. Einige Stellen

dort kannten wir schon. Wir kamen wieder am Atocha-Bahnhof vorbei, am Retiropark. Wir

hatten uns einfach total verfranst. Hoffnungslos, da wieder rauszufinden. Das Navi spielte

wie in Merida total verrückt. Wir fragten Leute am Straßenrand, wo wir hin müßten. Und

dann waren wir auf einmal wieder auf der richtigen Straße. Das Navi wirkte wieder

vertrauenserweckend. Doch dann strandeten wir auf einmal im Parque Juan Carlos I. und

standen vor einem Stadion. Ein hilfreicher junger Mann erklärte uns, wie wir nun

weiterfahren sollten. Und endlich, nach mehreren Kringeln und Schleifen, die wir gedreht

hatten, sahen wir unser Hotel, das Best Western Villa Barajas. Wir brachten schnell

unsere Koffer auf das Zimmer, das uns gegenüber dem im Hotel Rex winzig erschien, und

fuhren Richtung Flughafen, um unseren Mietwagen loszuwerden. Als das geschafft war,

atmeten wir erleichtert auf.



Nun brauchten wir nur noch die Metro zu nehmen, um wieder zum Hotel zurück zu

kommen. Nachdem wir unseren Durst in einem Restaurant mit einer „Clara“ gestillt hatten,

erfreuten wir uns später im Hotel am kostenlosen Kaffee, den man sich an einem

Automaten selbst zapfen konnte. Das war ein guter Service des Hotels.



Zum Abendessen liefen wir ein wenig im Viertel herum, blieben bei Boulespielern stehen,

um zuzusehen. Als die Sonne tiefer sank, machten wir uns auf die Suche nach einem

Lokal, das uns zusagte. Wir fanden leider nur ein „Touristenlokal“, in dem man sich trotz

des ganz guten Essens nicht so ganz wohlfühlt, weil man merkt, dass man abgezockt

werden soll. So sollte man für ein Brötchen, das zum Essen dazu gelegt wurde, 1,50 €

extra zahlen. So etwas stimmt mich immer sehr nachdenklich, und ich hoffe, dass in

Deutschland die Gastronomen gastfreundlicher gegenüber Ausländern sind.



Mittwoch, 29. September



Erstes Frühstück im Best Western Hotel in Barajas. Angesichts der Riesenauswahl im

Hotel Rex waren wir etwas ernüchtert. Unter einem Best Western-Hotel hatten wir uns

etwas anderes vorgestellt. Es war teurer und weniger komfortabel als das Hotel an der

Gran Via und wohl hauptsächlich auf den Geschmack von Spaniern und Engländern

ausgelegt. Was als Müsli angeboten wurde, konnte man vergessen. Es gab nur Weißbrot,

keine andere Sorte, keine Art Brötchen, nichts Abgepacktes. Selbst die Süßigkeiten

(kleine Teilchen) waren viel zu süß. Das einzige, was wirklich gut schmeckte, war der

Orangensaft, der im Hotel Rex als einziges nicht so gut gewesen war. Nun ja, man muss

es nehmen, wie es kommt. Dieses Hotel hatte einfach andere Prioritäten. Nämlich den

Shuttlebus, der uns am nächsten Tag zum Flughafen bringen sollte.



Für heute war Streik in Madrid angesagt. Wir hatten uns trotzdem für die Zeit unseres

Aufenthalts noch Touristentickets besorgt, weil man uns sagte, dass die Metro auf jeden

Fall fahren würde, allerdings mit Einschränkungen. Deshalb probierten wir es aus. Und

siehe da, es funktionierte zumindest auf den Strecken, die wir fuhren, alles reibungslos.

Wir mussten zum Flughafen, um unsere Boardingcards auszudrucken. Im Flughafen

standen viele Menschen vom Personal herum, unterrichteten die Reisenden, warum sie

streiken. Viele Schalter waren geschlossen. Die Toiletten wurden nicht gereinigt. Auf den

Fluren lagen überall Papierschnipsel. Hier demonstrierte man ordentlich. Doch wir wollten

ja erst am nächsten Tag fliegen und fragten nach, ob der Streik evtl. ausgedehnt würde.

Da winkten alle ab. Nun gut. Also machten wir uns wieder mit der Metro auf den Weg in

die uns schon so vertraute Altstadt. An der Puerta del Sol sah man eine Menge

streikender Müllmänner. Die Polizei hatte einen ganzen Bereich zu ihrer (oder wessen)

Sicherheit abgesperrt. Auf den Straßen türmten sich die Müllberge.



Als wir Hunger bekamen, wollten wir es diesmal besser machen als am Anfang unserer

Reise. Aber zu unserem empfohlenen Wirt wollten wir auch nicht gehen, sondern einmal

etwas anderes ausprobieren. Und dann fanden wir ein Lokal, an dem wir etliche Male

vorbei gelaufen waren. Nun lockte es uns herein. Das Essen war köstlich und wir fragten

uns, warum wir nicht schon vorher mal auf die Idee gekommen waren, dort einzukehren.

Aber vielleicht war es ja nicht unser letzter Madridbesuch. Mal sehen!



Donnerstag, 30. September



Unser Abflugtag. Wir gingen so früh zum Frühstück, dass noch nicht mal die Türe geöffnet

war vom Frühstücksraum. Aber Punkt sieben wurde geöffnet. Wir hatten unsere Koffer

schon an der Rezeption bereit gestellt und so ein wenig mehr Zeit zum frühstücken.

Nachdem wir die Rechnung bezahlt hatten, fuhren wir mit dem Shuttlebus zum Flughafen.

Der Fahrer brachte uns zum richtigen Terminal und sogar genau da hin, wo der Lufthansa-

Schalter war. Wir bedankten uns entsprechend.



Innen war alles wieder aufgeräumt und sauber. Vom Streik keine Spur mehr.

Unser Flug ging verhältnismäßig pünktlich Richtung Frankfurt. Auch von der am Vorabend

im Fernsehen angekündigten Schlechtwetterfront, die vom Atlantik über die Biscaya ins

Landesinnere drängen sollte, spürten wir zum Glück nichts. Wir waren umgeben von

Sonnenschein und Leichtigkeit. Das änderte sich erst über Deutschland. Das ganze Land

schien in Regen und Nebel zu ersticken. Wir landeten trotzdem sehr sicher und freuten

uns, wieder im Heimatland zu sein. Da wir noch Zeit hatten bis zur Abfahrt des gebuchten

Zuges, genehmigten wir uns einen schönen, heißen Kaffee. Und dann bestiegen wir

unseren Zug, der uns in Koblenz ausspuckte, wo wir bereits von unserem Privatchauffeur

Helmut erwartet wurden.



Fazit:



1. Die Reise war interessant (im wahrsten Sinne des Wortes).

2. Sie war bei weitem Kosten intensiver, als gehofft.

3. Wir würden so etwas ähnliches trotzdem gerne nochmal machen.





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