Romreise

Wer träumt nicht davon, einmal in seinem Leben nach Rom zu reisen? Goethe hatte es sich nach sehnlichstem Herzenswunsch noch vor seinem 40. Lebensjahr ermöglicht, nach Rom zu reisen. Das war uns nicht gelungen. Aber nun war es endlich soweit. Mit Hilfe einiger Reiseführer und Bildbände über Rom bereiteten wir uns auf die Reise vor. Wir wollten wissen, wie es dort wirklich aussieht. Wir waren neugierig, wie die Wirkung der Stadt auf uns wäre, wie uns Berninis wunderbare steinerne Figuren beeindrucken, wie uns Michelangelos Werke in ihren Bann ziehen würden.
Wir sahen zufällig eine kleine Anzeige in der Rhein-Zeitung, die eine Romreise zu einem ganz passablen Preis anbot. Der Anbieter hieß „Aquasun“, eine uns zwar völlig unbekannte Reisegesellschaft. Aber wir warteten nicht lange und griffen zu. Im Internet war „Aquasun“ auch vertreten, und wir sahen dort die Beschreibung der so genannten „Vertrags-Hotels“. Es gab nur zwei, die uns zur Auswahl standen, ein 3- und ein 4-Sterne-Hotel. Wir buchten telefonisch das 4-Sterne-Hotel „Parco Tirreno“ mit Frühstück und einen Hin- und Rückflug mit Ryan-Air. Das Hotel sollte wunderschön ruhig in einer Parkanlage liegen und zudem einen Swimmingpool bieten. Wir malten uns aus, wie wir, müde von der Besichtigungstour kommend, sofort in den Pool springen würden. Und die Vorfreude wuchs. Die Vertragsunterlagen wurden uns auch umgehend zugesandt, und wir bezahlten die gesamte Summe des Reisepreises gleich am nächsten Tag. Die wenigen Tage bis zu unserem Abflug flogen nur so dahin. Es war bereits Freitag und wir hatten noch immer keine Unterlagen zugesandt bekommen, weder die Bestätigung für die Tickets noch die Hotel-Voucher. Deshalb riefen wir an und fragten nach, wo denn die Unterlagen blieben. Man sagte uns, die schicke man uns schon noch zu. Da die Post nicht immer so zugestellt wird, wie man es sich wünscht und nur noch der Samstag zwischen unserer Anfrage und dem Abflug lag, war das Risiko zu groß, die Unterlagen mit der Post zu verschicken. Daher erhielten wir per Fax die nötigen Papiere. Wenn das mal gut geht, drängte sich gleich in unsere Köpfe. Wir packten unsere Koffer und fuhren nachts um 3.00 Uhr von Koblenz nach Hahn/Hunsrück. Der Flug-Voucher (gefaxtes Exemplar) wurde akzeptiert. Aber wir hatten Übergepäck. In unserer Euphorie hatten wir völlig überlesen, dass bei Ryan-Air nur 15 kg statt wie sonst üblich 20 kg mitgenommen werden dürfen. Das beginnt ja schon gut, dachten wir und zahlten pro Kilo Übergepäck € 7,00, also € 35,00. Wer zu dumm ist, richtig alles durchzulesen, sagten wir uns, muss wohl bestraft werden. Das nächste Mal würden wir besser darauf achten. Und für den Rückflug hatten wir uns auch schon was ausgedacht. Aber erst mussten wir mal starten. Pünktlich um 6.30 h startete die Maschine gegen Süden. Sie war vollgestopft. Und man konnte erkennen, dass viele junge Leute den Billigflieger bereits öfter genutzt hatten. Die Lautstärke war für uns ungewohnt. Aber der Flug war gut und gegen 8.00 h landeten wir auf dem Flughafen Rom-Ciampino, der im Süden Roms liegt. Nach der Kofferentgegennahme warteten wir auf Frau P., die uns als Reiseleiterin avisiert war. Entweder käme sie selbst oder wenn es weniger als 15 Personen wären, die abgeholt werden müßten, käme ein Englisch sprechender Taxifahrer uns abholen. Man könne die jeweilige Person erkennen, weil sie ein Schild mit der Aufschrift „Aquasun“ in Händen hielte. Wir hielten also Ausschau nach eben diesem Schild. Aber weit und breit war nichts zu sehen. Es war ca. 8.10 h. Die Menschenmasse, die das Flugzeug ausgespuckt hatte, hatte sich bereits verlaufen und wir schienen die einzigen Menschen zu sein, die nicht abgeholt wurden. Die Sonne stieg höher, es wurde wärmer und wärmer. Und wir warteten. Wir versuchten mehrmals, Frau P. auf ihrem Mobiltelefon, dessen Nummer wir als einzige hatten, zu erreichen. Es hätte ja sein können, dass ihr etwas dazwischen gekommen wäre oder sie uns gar vergessen hätte. Wir dachten, dass ein Telefonat die Sache geklärt hätte. Aber Frau P. war nicht erreichbar. Und so standen wir auch noch um 9.15 h am Flughafen, im wahrsten Sinne: wie bestellt und nicht abgeholt. Da hatten wir denn doch die Faxen dicke und nahmen uns ein Taxi. Der Fahrer sprach nur Italienisch und wir suchten nach italienischen Vokabeln, um uns ihm verständlich zu machen. Die Autobahn war völlig verstopft und es ging nur langsam voran. Aber wenn mal ein paar Meter Platz war, beschleunigten sofort sämtliche Verkehrsteilnehmer beinahe von 0 km/h auf 100 km/h und kamen dann wenige Zentimeter weiter mit quietschenden Reifen wieder zum Beinahe-Stillstand. Die Fahrspuren wurden ständig gewechselt, immer dahin, wo es gerade mal etwas schneller ging. Ganz oft hätte nur noch eine Zeitung zwischen die Fahrzeuge gepasst, so eng wurde gedrängelt. Es ging durch einen Tunnel, dann an einem gerade passierten Unfall vorbei. Da hatte einer der Beschleuniger wohl nicht mehr rechtzeitig bremsen können und war seitlich in ein Fahrzeug hinein gebrummt. Auch unser Taxifahrer glaubte, der andere sei ein Idiot, nachdem er ihm die Fahrt abgeschnitten und sich fast in dessen Auto hinein gebohrt hatte. Nur er hatte Glück gehabt. Bei dem Unfallwagen standen die Leute auf der Straße. Da kein Personenschaden zu beklagen war, kam die Polizia gar nicht erst. Nach langer Fahrt mit ständigem Stop und Go und zwischenzeitlicher Raserei unseres Fahrers, bei der ich auf dem Rücksitz immer kleiner wurde, erreichten wir endlich „unser“ Hotel „Parco Tirreno“. Der Fahrer entschuldigte sich für den teuren Fahrpreis, der durch die langsame Fahrerei gekommen sei und gab uns eine Quittung über den Betrag von € 83,00. Wir schluckten – und zahlten. Nicht schlecht, Herr Specht, dachten wir so. Aber egal. Das musste eben die Reisegesellschaft übernehmen. Der Transfer samt Reiseleitung war immerhin von uns gebucht und bezahlt. Wir nahmen unsere Koffer in Empfang und zogen sie in die Rezeption. Wie gut, dachten wir, dass wir jetzt wirklich angekommen sind. Der Herr an der Rezeption besah sich einen Augenblick länger als nötig die Voucher, die wir ihm hinhielten und bat uns, doch einen Moment Platz zu nehmen. Kein Problem, dachten wir. Aber es dauerte länger. Es dauerte lange. Wir sahen die Damen und Herren hinter dem Tresen immer mal wieder zu uns hinsehen und tuscheln, als ob wir Betrüger wären. Was stimmte da nicht? Wir besahen uns die Bilder, die in der großen Rezeption aufgehängt waren, gingen auf Erkundung zum Restaurant, zur Bar, zur Toilette, zum Park, zurück zur Rezeption, wobei immer einer von uns bei den Koffern blieb, während der andere dann von „unserem“ Hotel die ersten Eindrücke schilderte. Nach genau einer Stunde kam einer der Herren in feiner Uniform hinter seinem Tresen hervor zu uns und bedauerte sehr, aber wir seien in diesem Hotel nicht gebucht. Der Kloß, der zuvor noch oben im Hals gesessen hatte, plumpste mit einemmal eiskalt in den Magen. Was war das? Nicht gebucht? Nein, bedauerte der Herr, man hätte nun ständig versucht, jemanden im Büro von „Aquasun“ in Rom telefonisch zu erreichen, leider ohne Erfolg. Man könne uns allerdings für zwei Nächte ein Zimmer anbieten. Das war ja lieb gemeint, aber wir hatten für vier Nächte gebucht. Fragte sich nur, wo eigentlich. Freundlicherweise ließ uns der Herr von der Anmeldung von seinem Telefon aus in Deutschland anrufen. Dort bekamen wir einen der beiden Herren an die Strippe, mit dem wir auch schon früher mal gesprochen hatten.

"Lieber Herr J., wir sitzen im Hotel Parco Tirreno, und man sagt uns, wir seien hier nicht gebucht. Soll das ein Scherz sein? Wir sind auch nicht abgeholt worden vom Flughafen und mussten uns ein Taxi nehmen, das uns bereits € 83,00 gekostet hat.“

"Ach, sie sind nicht abgeholt worden?“

"Nein.“

"Also, wo sind Sie jetzt?"“

Wir dachten, was soll die blöde Frage, oder will er nur Zeit schinden?

"Wie ich bereits sagte, im Hotel „Parco Tirreno“, das wir über Sie gebucht haben. Und nun sagt man uns, wir wären von Ihnen nicht gebucht. Was soll das Ganze?“

Er räusperte sich etwas verlegen.

"Ja,wenn Sie nicht vom Flughafen abgeholt worden sind, dann wissen Sie ja noch gar nicht, dass sie im „Giotto“ gebucht sind.“

"Was sind wir?“

"Es tut mir leid, aber wir haben Sie umbuchen müssen ins Hotel „Giotto“. Holen Sie sich doch bitte noch mal ein Taxi und lassen sie sich ins „Giotto“ fahren. Wir übernehmen selbstverständlich die Taxikosten.“

Sein Wort in Gottes Gehörgang, dachten wir und ließen uns ein Taxi rufen. In unserem Vertrag stand, wenn wider Erwarten ein Hotel ausgebucht sein sollte, würden wir ein anderes gleichwertiges Hotel zur Verfügung gestellt bekommen. Nun ja, dachten wir, dann kann es ja so schlimm nicht kommen. Aber es kam schlimm. Es erwartete uns kein 4- sondern nur ein 3-Sterne-Hotel. Und es lag auch nicht in einem Park und hatte schon überhaupt keinen Swimmingpool. Das „Giotto“ lag inmitten eines Häusermeeres, und Straßen mäanderten sich darum herum. Autos und vor allem eine Masse an Motorrollern stöhnten und brüllten sich daher direkt am Hotel vorbei. Wir waren stocksauer. Jetzt hatten wir schon zwei Stunden vertrödelt mit der Warterei, und dann das. Als man uns die Voucher am Freitag zufaxte, auf denen das Hotel „Parco Tirreno“ draufstand, wussten die Herren ja wohl, dass wir nicht in dem von uns ausgesuchten Hotel unterkommen würden und ließen uns einfach im guten Glauben, dass alles normal funktionieren würde.
Unsere Koffer wurden auf ein winziges Zimmer gebracht. Das Hotel war zur Straße hin rund gebaut, und so bestand das Zimmer aus einen Dreieck, dem man zur Zimmertüre hin zum Glück eine gerade Wand statt einer Spitze gestattete. Der Durchgang zwischen einem Tischchen und den Betten betrug ca. 40 cm. Nachts, wenn das Bettzeug sich verselbständigt hatte, wurde der Durchgang noch enger und man geriet in Gefahr, sich darin zu verfangen, wenn man zur Toilette wollte. Das Badezimmer hatte kein Fenster, die Handtücher waren sehr dünn und nach einem Mal benutzen klatschnass und nicht noch einmal zu benutzen, da sie in dem feuchten Raum auch nicht trocknen konnten. Wir dachten sehnsuchtsvoll an das „Parco Tirreno“ zurück, das wir gebucht zu haben glaubten und bei dessen Beschreibung von großzügig angelegten Zimmern die Rede war. Nun mussten wir uns mit der Situation abfinden, in der alles anders war, als wir es gedacht hatten. Wozu hatten wir jetzt gute Kleidung und die Badesachen mitgenommen, fragten wir uns. Die ganze Schlepperei umsonst. Wir ärgerten uns, doch wollten wir uns auch nicht unseren kurzen Urlaub kaputt machen lassen. Also packten wir nach einem kurzen Blick aus dem Zimmerfenster auf das Häusermeer und die Straße unsere Koffer aus und beschlossen, jetzt unseren Urlaub zu beginnen. Auf einem Plan ersahen wir, dass 5 Minuten vom Hotel entfernt die Buslinie 49 eine Haltestelle hatte. Wir prägten uns ein, wie es in der Nähe der „Fermata“ aussah und fuhren in Richtung Innenstadt von Rom. Nach drei Haltestellen hielt der Bus an einem kleinen Busbahnhof, in dessen Nähe auch die Metro eine Haltestelle hatte. Aber erst mal wollten wir die Fahrerei mit dem Bus ausprobieren. Die Fahrt ging weiter durch die enge Straße. Links und rechts parkten Fahrzeuge, an Straßenkreuzungen strömten die Autos von allen Seiten in die schmale Straße, drängten auch noch nach, als die Ampel bereits längst gelb oder rot anzeigte. Und so verknuddelte sich der Autoverkehr immer fester, und manchmal ging minutenlang gar nichts mehr. Zwei unübersichtliche Unterführungen musste der Busfahrer im Schneckentempo anfahren, da viele Fahrer im Gegenverkehr es oft überhaupt nicht einsahen, für den Bus Platz zu lassen, damit er um die Kurve käme. Und dann ging es ewig lange an der Vatikanischen Mauer entlang. Der Eingang zu den Vatikanischen Museen und zur Sixtinischen Kapelle lag auf der Strecke. Wir stiegen aus, liefen an der interessant gebauten Mauer entlang bis zu den von Bernini entworfenen und geschaffenen 284 Travertinsäulen, die den Petersplatz umsäumen. Und dann standen wir auf dem großen Platz und bestaunten die harmonische Architektur. Den 25,5 m hohen Obelisken in der Mitte, den Caligula im Jahre 37 n. Chr. Aus Ägypten mitgebracht hat, hätten wir uns eigentlich eher in Ägypten vorstellen können, während die Brunnenanlagen gut auf den Platz passten. Wir besahen uns die Menschenschlange, die sich eingereiht hatte vor der Sicherheitskontrolle, um in den Petersdom zu kommen. Sie war nicht so lang und die Kontrolle ging schnell vor sich. Also reihten auch wir uns ein. Die Kontrollstation kam uns vor wie am Flughafen. Gerade, als wir die Tasche für die Bildschirmkontrolle auf das Band gelegt hatten, schien der Bildschirm auszufallen. Denn der, der das Bild beobachten sollte, stand plötzlich auf und ich dachte schon, er hätte irgendwas gesehen, von dem er glaubte, es wäre eine Waffe. Aber dann erzählte er seinem Kollegen, der die Personenkontrolle machte, etwas, und die zwei stellten sich gemeinsam vor den Bildschirm. Dabei war unsere Tasche bereits durch die Kontrolle durch und wir wurden weiter gewinkt. Na ja, das war keine so intensive Durchleuchtung, wie wir es immer gehört hatten. Unser Weg führte uns sofort in den Petersdom hinein. Mein ganz persönlicher Eindruck war, dass ich mich nicht in einem Gotteshaus befinde. Durch die Menschen, die überall herum standen und sich alles ansahen oder fotografierten, kam ich mir vor wie in einem Museum oder einer Ausstellung. Es kam jedenfalls nicht so etwas wie Andacht auf, als wir den Raum betraten. Vielleicht ist das während eines Gottesdienstes dann anders, vermuteten wir. Wir begannen unseren Rundgang auf der rechten Seite und standen sofort vor Michelangelos „Pietà“. In unserem Bildband von Rom war sie so nah, und nun stand sie durch ein Gitter geschützt einige Meter entfernt und man konnte mehr erahnen als sehen, wie schön der Künstler sie im Alter von 25 Jahren gearbeitet hatte. Sie wirkt so lebendig, die Körper, der Faltenwurf der Kleidung so wunderschön, dass man sich kaum vorstellen kann, dass die Figuren wirklich aus Stein sind. Es ist beinahe unglaublich, dass es solche Künstler gab, die so etwas schaffen konnten. Wir konnten uns kaum von ihr trennen. Aber da wir uns ja noch mehr ansehen wollten, rissen wir uns von dem Kunstwerk los.
Unser Blick ging ringsherum. Wir sahen die vielen Seitenkapellen, die jede eine Kirche für sich ist. Hohe Säulen trugen die Kirchendecke. Über dem Altar sahen wir in die riesige Kuppel, die zum Kennzeichen für den Petersdom geworden ist.
Leider hatten wir keine Möglichkeit, zum Grab des hl. Petrus zu gehen. Wir gingen also weiter und fanden außer vielen Beichtstühlen, an denen draußen draufstand, in welcher Sprache man dort beichten kann, auch die Statue der hl. Veronika. Auch sie war einfach kunstvoll gearbeitet.
Nach der Besichtigung des größten Kirchenbaus in Europa (in Afrika soll ein Dom ja noch mehrfach so groß sein wie der Petersdom) wollten wir uns nun einmal etwas bewegen. Mit dem Stadtplan in der Hand zogen wir also los in Richtung Engelsburg. Sie liegt nicht weit vom Vatikan entfernt. Dieses Gebäude, das zunächst einmal als Mausoleum erbaut worden war, hat eine lange Geschichte. Es war unter anderem Zufluchtsstätte für verfolgte Päpste und diente auch als Gefängnis. Heute beherbergt es ein Museum. Seitdem auf das Dach des „Mausoleums“ ein Engel gestellt wurde, bekam das Gebäude den Namen „Engelsburg“. Für uns war das Bauwerk interessant, weil Puccinis Oper „Tosca“ dort spielt. Placido Domingo hat vor einigen Jahren in der Engelsburg die Rolle des Malers „Mario Cavaradossi“ gesungen. Er hatte sich gewünscht, dass alle Szenen der Oper an den Originalschauplätzen und zu den in der Oper angegebenen Tages- bzw. Nachtzeiten gedreht würden. So wurde aus einer Oper, die ansonsten nur in einem Opernhaus oder im Theater zu sehen ist, eine lebensechte Verfilmung des Geschehens in Puccinis Oper. Wir fanden sie sehr gelungen. Man konnte am frühen Morgen, kurz bevor „Mario Cavaradossi“ erschossen wurde, den zusehends sprießenden Bart des männlichen Hauptdarstellers bewundern. Doch die Stimmen der beiden Hauptsänger waren trotz der Uhrzeit noch immer wunderbar anzuhören.
Wir setzten unseren Stadtspaziergang fort über die Engelsbrücke. Sie führt direkt von der Engelsburg über den Tiber und ist geschmückt mit herrlichen Engelsskulpturen, die Bernini entworfen hatte. Die Gebäude unterwegs erinnerten uns in gewisser Weise an Paris und trotzdem irgendwie anders, mit anderem Flair. Zwischendurch stellten wir uns auch die Frage, wie Goethe bei seinen Aufenthalten die Stadt wohl erlebt hatte. Und was von dem, was er sah, heute noch erhalten ist. Wir durchstreiften Straßen und Gassen, bis wir die Piazza Navona erreichten. Als wir den von Häusern umrandeten Platz erreichten, sahen wir als erstes den von Bernini geschaffenen Vierströme-Brunnen. Brunnen, Menschen, Maler mit ihren Gemälden, Musikanten, alles verwob sich vor unseren Augen zu einem bewegenden Bild. Der Platz ist auf der einen Stirnseite gerade, auf der anderen Seite bilden die Häuser um ihn eine Rundung. Daran erkennt man noch heute, das dieser Platz einmal ein Stadion war. 92 n. Chr. hatte Domitian es errichten lassen. Allerdings liegt das Stadion ca. 8 m tiefer als heute die Piazza. Wir hatten das Glück, auf einer der Steinbänke Platz zu finden und dem Treiben von dort aus zusehen zu können. Vor jedem Restaurant standen Kellner. Sie luden mit südländischer Gestik die Vorbeiflanierenden ein, sich auf ein Gläschen Wein oder eine Tasse Kaffee in ihrem Lokal auszuruhen. Manch einer der Maler kam gerade, baute seine Staffeleien auf, stellte die Gemälde darauf, nahm seinen Klappstuhl und wartete auf Kundschaft. Viele Besucher der Piazza schlenderten gemächlich an den Künstlern vorbei, blieben stehen, besahen sich die Kunstwerke. Nur wenige kauften. Straßenmusiker ließen ihre Instrumente erklingen und gingen anschließend mit einem Hut rund, um ihren Lohn in Empfang zu nehmen.
Wir machten uns auf den Weg zum Pantheon, einem Gebäude, dessen Ursprung bis zum Jahr 27 v. Chr. zurückreicht. Seine Kuppel ist größer als die des Petersdoms. Faszinierend ist die Symmetrie des Raumes. Wir fühlten uns darin ausgesprochen wohl. Nach der Besichtigung machten wir uns auf den Weg zurück zum Busbahnhof in der Nähe des Petersdoms und fuhren von dort wieder mit der „49“ in Richtung unseres Hotels.
Dafür, dass an unserem ersten Urlaubstag vieles nicht so gelaufen war, wie wir es eigentlich erwartet hatten, hatten wir doch noch viele schöne Eindrücke und Positives erlebt. Denn wir fanden am Abend in einer Seitenstraße im Zentrum ein kleines Restaurant, das uns zusagte. Wir saßen dort gut, wurden nett bedient, und das Essen und der Wein schmeckten uns auch. Was wollten wir mehr, versuchten wir uns einzureden. Denn dass wir jetzt nicht das Schwimmbad hatten, um uns vom vielen Laufen zu entspannen, wurmte uns doch immer noch.
Als wir am späten Abend wieder ins Hotel kamen, hatte sich der Straßenlärm zum Glück auf eine etwas weniger schlimme Lautstärke eingependelt. Doch erst gegen 3 Uhr morgens konnte man das Fenster offen lassen. Gegen 5.30 Uhr begann dann der Lärm von neuem. Aber die Betten waren gut und wir hatten nach all der Aufregung am Vortag auch gut geschlafen.
Unser erstes Ziel am zweiten Tag war die Spanische Treppe. Wir mussten sie natürlich „besitzen“, sonst hätten wir das Gefühl gehabt, wir wären überhaupt nicht dort gewesen. Und es war äußerst interessant, Menschen zu beobachten, die auch auf der Treppe saßen und wiederum andere beobachteten, oder den vielen Ankömmlingen entgegen zu sehen, die nach und nach von den Straßen her zur Treppe kamen oder am Brunnen lungerten, wobei ein Ordnungshüter darauf bedacht war, dass niemand auf die Idee kam, darin zu baden oder seine Füße zu kühlen. Leider wurde gerade die Kirche im Hintergrund renoviert, so dass der Bildhintergrund der Fotografien die Werbung eines Autos zeigte.
Unser Rundgang führte uns weiter zum Trevibrunnen. Die Filmszene mit Anita Ekberg war uns noch vor Augen. Daher hatten wir ihn uns schon grandios vorgestellt. Aber er übertraf einfach alles. Etwas so Gigantisches so filigran wirken zu lassen, das war einfach genial. Nicola Salvis hat im 18. Jh. diesen barocken Brunnen geschaffen. Die Schwere der Figuren und Felsen wird einfach aufgelöst durch die vielen kleinen Wasserspiele.
Leider haben wir mit der falschen Hand über die falsche Schulter die Münzen geworfen. Ob wir jetzt nie mehr nach Rom kommen?
Nachdem wir uns ein gutes Eis genehmigt hatten, verließen wir den wunderschönen Brunnen und fuhren mit dem Bus zum Kolosseum. Zum Glück hatten wir einen Plan, von wo nach wo Busse, die Tram oder die Metro fahren. Sonst hätten wir uns in Rom nicht so leicht zurecht gefunden. Grundsätzlich ist es ganz einfach. Man muss nur wissen, welche Endstation man hat, bzw. welche Endstation der Bus hat, mit dem man bis zur nächsten Haltestelle fahren will, um dann in den nächsten Bus einzusteigen, dessen Endstation man wissen muss, um richtig anzukommen. Beim Busfahren hat das immer geklappt, auch bei der Metro. Nur bei der Tram hatten wir da doch einmal ein Problem und sind viel zu weit gefahren. Aber zum Kolosseum zu kommen war kein Problem. Wegen des Fotografierens stiegen wir eine Haltestelle vorher aus und spazierten dann an der riesigen Anlage vorbei. Das Kolosseum, das größte Amphitheater der Welt, wurde seit 72 n. Chr. unter Vespasian gebaut. Mehr als 50.000 Personen fanden darin Platz. Hier konnten sie zusehen, wie Menschen gegen Menschen oder Menschen gegen Tiere kämpften, freiwillig oder unfreiwillig. Viele Christen, die ihrem Glauben nicht abschwören wollten, verloren hier ihr Leben. Das Gebäude hatte früher eine Vertäfelung aus Carraramarmor und ein Dach aus Zeltbahnen, das bei großer Hitze oder Regen zum Schutz wie ein riesiger Schirm rundherum aufgespannt wurde. An der gleichen Stelle, an der das Kolosseum steht, stand zu Kaiser Neros Zeit eine von ihm selbst zu seiner Ehre aufgestellte 36 m hohe Statue. Wegen dieses Kolosses erhielt das Bauwerk wahrscheinlich seinen Namen.
Gleich neben dem Kolosseum steht der Konstantinsbogen. Obwohl zumeist heidnische Motive in den Stein gemeißelt sind, soll der Bogen an die Bekehrung des Kaisers zum Christentum erinnern.
Nur wenige Schritte weiter beginnt oder endet mit dem Titusbogen der Bereich des Forum Romanum. Der Titusbogen erinnert an die Plünderung Jerusalems 70 n. Chr. Auf der linken Seite führt ein Weg hinauf zum Palatin, dem legendären Geburtsort Roms. Vom botanischen Garten, den die Familie Farnese im 16. Jh. dort anlegen ließ, hat man einen wunderbaren Blick über das gesamte Forum. Wir gingen über die Via Sacra, die heilige Straße, auf der früher die siegreichen Feldherren in prunkvollen Triumphzügen zum Fuße des Kapitols fuhren. Wir sahen die Ruinen der Tempel und Paläste und versuchten uns vorzustellen, wie die Menschen damals dort gelebt und gearbeitet haben. Am Ende der Straße erhebt sich der dreitorige Triumphbogen des Septimius Severus. Er verherrlicht die Kriegszüge, die der Kaiser im 3. Jh. gegen die Parther in Mesopotamien unternahm. Daneben sind die Überreste der breit ausladenden Rostra, von der Cicero und Mark Anton ihre Reden an das Volk hielten. Wir rasteten dort und ließen die Örtlichkeit eine Weile auf uns wirken, bevor wir eine Treppe hochstiegen, um auf das Straßenniveau des heutigen Rom zu gelangen. Auf der linken Seite sahen wir ein Gebäude, in dem vorgeblich der hl. Petrus gefangen gehalten und von Engeln befreit worden war. Rechter Hand erstreckt sich das riesige Gebäude des Viktor Emanuel II, das mit seiner Frontseite zur Piazza Venezia zeigt. Wir hielten uns links und erreichten schon bald darauf den Circus Maximus, der in einer Senke zwischen zwei der 7 Hügeln Roms liegt, nämlich dem Aventin und dem Palatin. Der Circus war mit 500 m Länge die längste Rennbahn der Antike und bot mehr als 300 000 Menschen Platz. Um 320 v. Chr. wurde mit dem Bau der Anlage begonnen. Zuvor war auf diesem Platz das Heiligtum des Erntegottes Consus, dem jährlich ein Erntefest gewidmet wurde und bei denen auch die ersten Wagenrennen veranstaltet wurden. In der Mitte des Platzes war ein aufgeschütteter Mittelstreifen, auf dem Obelisken und Wendemarken waren. Seit Augustus Zeiten befand sich ein Obelisk aus der Zeit Ramses II. (13. Jh. v. Chr.) dort, der als Beutestück aus Ägypten stammt und heute auf der Piazza del Popolo steht. Ein weiterer Obelisk, der aus der Zeit des Thutmoses III. (1490-1436 v. Chr.) stammt, steht heute vor dem Lateranpalast. Die Steine der Tribünen wurden im Laufe der Jahrhunderte abgetragen. Heute ist es lediglich ein öder Platz, der nur noch durch seine Form daran erinnert, was er einmal war.
Unser Weg führte uns weiter am Ufer des Tiber entlang. Dort befindet sich die Tiberinsel, die wie eine Oase wirkt. Nach beiden Seiten ist sie durch eine Brücke mit dem Ufer verbunden. Leider konnten wir kein einziges Restaurant am Ufer oder in Ufernähe finden, um den schönen Blick in uns aufnehmen zu können. Auf der rechten Straßenseite sahen wir die jüdische Synagoge. Wir gingen weiter durch die Gassen des jüdischen Viertels und erreichten einen schönen Platz vor dem Palazzo Farnese. Leider ist der Palast nicht zu besichtigen. Deshalb nahmen wir Platz in einem Straßencafé und beobachteten das Leben. Vom Campo de' Fiori kommend fuhren kleine Müllwagen über die Piazza. Frauen mit Besen und Schaufeln trotteten hinterher. Wir ließen uns den Kaffee schmecken und gingen dann weiter zum Campo de' Fiori, dem Blumenfeld. Hier werden jedoch nicht nur Blumen angeboten. Obwohl die Müllabfuhr bereits gesäubert hatte, war der Fischgeruch noch sehr präsent. In der Mitte des Platzes steht das Standbild des Giordano Bruno, der auf diesem Platz wegen angeblich gotteslästerlicher Ideen von der Unendlichkeit des Universums und der Existenz weiterer Galaxien im Jahre 1600 bei lebendigem Leibe verbrannt wurde. Für diesen Tag hatten wir uns genug angesehen und wollten die vielen Eindrücke erst einmal verdauen.

Inzwischen hatten wir in unserem Hotel noch weitere Reisende kennengelernt, die genau wie wir über „Aquasun“ das 4-Sterne-Hotel „Parco Tirreno“ gebucht hatten (eine Gruppe von 10 Personen bereits schon vor einem Jahr!) und nun im „Giotto“ gestrandet waren. Wir waren alle der Auffassung, dass das wohl kein Zufall wäre, dass niemand in dem gebuchten Hotel untergekommen war. Wenn man bereits ein Jahr zuvor bucht, kann von zu geringem Bettenangebot in einem so großen Hotel wohl kaum die Rede sein. Wir kamen uns alle betrogen vor und glaubten, dass „Aquasun“ mit dem 4-Sterne-Hotel nur Kunden anwirbt, ohne dass das Hotel wirklich ein „Vertragshotel“ ist, wie „Aquasun“ auf seiner Internetseite behauptet. Denn dann müßten sie in besagtem Hotel wohl ein Kontingent von Betten haben, was ja anscheinend nicht der Fall ist. Und wir machten uns Gedanken darüber, dass die Kunden, die sich hinterher nicht beschwerten und den Differenzbetrag zwischen 4- und 3-Sterne-Hotel nicht zurückforderten, für einen zusätzlichen Gewinn bei „Aquasun“ sorgten. Da keimte langsam der Verdacht, dass das eine Masche sein könnte, bei der man als Normalbürger eiskalt abgezockt wurde. Wir wollten auf jeden Fall nach der Reise das vorgelegte Taxigeld und den Differenzbetrag einfordern. Und wir glaubten sogar, dass „Aquasun“ das Geld erstatten würde, wenn vielleicht auch mit Verspätung, um weitere Zinsen mitzunehmen. Sie würden wahrscheinlich schon deshalb das Geld erstatten, damit man nicht auf den Gedanken käme, ihr Vorgehen an die große Glocke zu hängen oder mal Nachforschungen anzustellen, was da eigentlich abläuft.

An nächsten Tag machten wir uns auf, um uns in der im 15. Jh. für Sixtus IV. gebaute „
Sixtinische Kapelle“ das Deckenfresko des Marmorbildhauers Michelangelo anzuschauen. Er hatte es zwischen 1508 und 1512 alleine gemalt. Wir hatten Glück und brauchten nicht zu warten (einen Tag später standen die Menschen hunderte Meter an der vatikanischen Mauer entlang, um Einlass zu finden). Wir gingen langsam die Treppe nach oben und ließen uns dann von Menschengruppen durch lange Flure mit riesigen, wertvollen Gobelins schleusen, um schließlich in der Kapelle anzukommen. Menschen, wie Sardinen in der Dose zusammengedrückt, standen mit Blick nach oben, um das restaurierte Deckengemälde von Michelangelo zu bewundern. Dabei stieg die Lautstärke im Raum gewaltig an, und das, obwohl in mehreren Sprachen immer wieder um Ruhe gebeten wurde und spezielle Ordner persönlich um Rücksichtnahme baten. Wenn man sich mitten in der Menschenmasse befand, hatte man wenig Möglichkeit, sich wirklich in das Deckenfresko zu vertiefen. Die Luft im Raum war nicht die Beste und so waren wir schon bald wieder auf dem Rückweg. Das heißt, wir wurden an anderen Ende der Kapelle hinaus gelassen und durch enge Gänge geführt. Doch dann kam eine großzügig angelegte runde Treppe, die einen schönen Abschluss unseres Besuches der Sixtinischen Kapelle darstellte.

Nachdem wir außerhalb des Gebäudes etwas durchgeschnauft hatten, suchten wir uns die Tram aus, die uns zur Piazza del Popolo fuhr. Der Obelisk, der früher einmal im Circus Maximus gestanden hatte, steht nun dort in der Mitte des großen Platzes. Der Name des Platzes kommt von der Kirche Santa Maria del Popolo, die über Neros Grab errichtet wurde, angeblich, um seinen spukenden Geist zu bannen. Auf der östlichen Seite liegt am Hang der Pincio-Park, rechts daneben sieht man die Zwillingskirchen St. Maria dei Miracoli und Santa Maria in Montesanto. Der Pincio-Park geht über in den Park der Villa Borghese, in dem sich heute eine Galerie befindet.
Das Wetter war nicht mehr so beständig. Die Schwüle wurde durch ein ziemliches Gewitter beendet. Wir spannten unsere Regenschirme auf und wurden trotzdem nass, weil das Wasser, das der Himmel über uns ausgoss, so schnell nicht abfließen konnte, und jedes Fahrzeug einen hohen Wasserschleier über uns versprühte. Nach ein paar Stunden war alles wieder weggetrocknet.
Unser letzter Tag war angebrochen. Wir machten uns auf den Weg zur Via Appia Antica und besuchten die Katakombe des hl. Sebastian. Gleich bei den ersten Schritten auf der alten Straße stellte sich bei mir ein seltsames Gefühl ein. Wieviele Menschen waren schon über diese Steine gelaufen, wieviele hatten sich damals hier, außerhalb des alten Roms, in Sicherheit bringen müssen? Wir erkannten die Spuren der Pferdekarren, die Riefen in den harten Steinen hinterlassen hatten. Und dann ging es in die Katakombe. Leider gab es nur eine Führung in englischer Sprache. Doch zum Glück sprach die Dame, die uns durch die engen Gänge lotste, ein recht deutliches Englisch, so dass wir doch dem Text ganz gut folgen konnten. Eine Büste des hl. Sebastian, die Bernini geschaffen hat, steht gleich am Eingang. Sie sieht wunderschön aus. Leider ist ein Stück des Pfeiles im Laufe der Zeit abgebrochen. Aber es hat an der Schönheit der Büste nichts getan. In den engen Gängen sah man zu beiden Seiten Nischen, in denen früher die Verstorbenen bestattet worden waren, und man sah Räume, in denen man Gottesdienste abgehalten hatte. Der Rundgang endete nach einer knappen halben Stunde in der Kirche, die oberhalb der Katakombe liegt. Wir nahmen anschließend den Bus, der uns in die City zurückbringen sollte. Die Fahrt führte uns vorbei an der Katakombe des hl. Kalixtus und den Caracalla-Thermen. Wir sahen eine Pyramide auf unserem Weg und stiegen in der Nähe des Kolosseums aus. Dort sahen wir uns die Kaiserforen an, die an der Via dei Fori Imperiali liegen. In einem riesigen Areal liegt das Trajansforum, das einst u.a. prächtige Tempel, eine Basilika, ein Triumphbogen und eine Siegessäule umfasste. Auf der Trajanssäule, die sich 30 m hoch in den Himmel erstreckt, sieht man spiralförmig angeordnet die Etappen von Trajans Feldzug gegen die Daker.
Der Himmel begann wieder zu weinen; vielleicht wollte er uns den Abschied von Rom leichter machen. Wir zogen unsere Regencapes über und spannten den Schirm wieder auf. Das Wetter sollte uns doch nicht davon abhalten, noch etwas von Rom zu sehen. Aber über dem Vatikan hing eine pechschwarze Wolke, die immer bedrohlicher wurde. Der Regen begann in großen Tropfen auf die Erde zu platschen. Wir suchten Zuflucht in einem Eiscafé und glaubten, dass es ja wohl bald wieder aufhören würde mit dem Regen. Doch es wurde nur noch schlimmer. Letztendlich blieb uns nichts anderes übrig, als durch die vom Himmel herunter prasselnden Wassermassen zur Bushaltestelle zu begeben. Wir liefen durch zentimeterhohes Wasser. Die Schuhe saugten sich voll. Die Hosen waren bis zu den Knieen nass zum auswringen. Wir waren froh, als nach mehr als ½ Std. Wartezeit der Bus endlich kam. Er war brechend voll und es war, wie es bei uns zu Hause auch ist: bei Regen geht fast nichts mehr. Der Bus brauchte für die Strecke die vierfache Zeit. Wir hatten schon Befürchtungen, wir kämen nicht mehr rechtzeitig ins Hotel. Wir ließen uns den Schlüssel für die Kammer geben, in der unsere Koffer standen und zogen uns erst mal trockene Kleidung an. Es war 18.00 Uhr. Der Bustransfer zum Flughafen (diesmal sollte er klappen), war für 19.00 h angesagt. Wir waren gerade fertig mit Umziehen, als der Fahrer von Aquasun vor uns stand und drängelte. Wir müßten dringend fort, die Stadt sei zu und wir dürften nicht zu spät zum Flughafen kommen. Uns war 19.00 Uhr zwar auch etwas spät vorgekommen, als Frau P. uns die Zeit gesagt hatte bei unserem Anruf bei ihr. Aber wir mussten der Reiseleitung ja vertrauen! Die anderen Gäste, die auch mit dem Bus abgeholt werden sollten, hatten sich darauf verlassen und waren um 18.00 Uhr noch nicht im Hotel. So fuhr der Bus mit uns alleine zu dem nächsten Hotel, um Gäste abzuholen. Zwei Damen stiegen zu. Mit deren Koffern und unseren war der Gepäckplatz voll. Da kam ein Anruf von Frau P., dass die beiden anderen Personen aus unserem Hotel auch abzuholen wären. Also gurkte der murrende Fahrer noch einmal zurück und holte auch die beiden weiteren Fahrgäste ab. Zum Glück hatten die beiden nur einen Koffer, der dann noch dazwischen gequetscht werden konnte. Aber Sitzplätze waren zu wenig. So saßen wir mit 4 Personen auf 3 Sitzen doch ganz schön unbequem. Wenn jemand kontrolliert hätte, hätte es sicher eine Strafe gegeben. Mit drei Sicherheitsgurten kann man nun mal keine 4 Personen anschnallen. Aber der Fahrer hatte Glück. Die Polizisten, die an der Einfahrt zur Via Appia standen, schauten nicht so genau. Unser Fahrer wählte diese Strecke, um dem unendlichen Stau auf der neuen Straße zu entgehen. So kamen wir noch rechtzeitig am Flughafen Ciampino an. Unser Flug ging pünktlich gegen 22.00 Uhr. Wir hatten uns, um Übergepäck zu vermeiden, in Rom einen City-Shopper gekauft. Da hinein und in den Rucksack hatten wir nun alle schweren Sachen gepackt, so dass das Gewicht der Koffer genau mit 29,7 kg unter dem Limit lag. Der Hinflug mit Ryan-Air war wegen der vielen jungen Leute und der Lautstärke für uns schon etwas anderes gewesen als das, was wir bisher von Flügen gewohnt waren. Aber der Rückflug war einfach eine Klasse für sich. Wir kamen so ziemlich als letzte Passagiere ins Flugzeug. Die Jugendlichen hatten nur noch ein paar Plätze am Gang frei gelassen, für das Handgepäck gab es beinahe keinen Platz mehr. Irgendwie haben wir es in den Klappen geschoben und geknautscht, dann ging es doch rein. Kaum durfte man die Sicherheitsgurte wieder lösen, ging das Hin und Her los. Nicht, weil jemand zur Toilette gemusst hätte. Die lieben Menschen mussten miteinander diskutieren, wollten CD's austauschen und auf dem Gangboden Schach spielen. Und die Lautstärke schwoll zu einem ganz eigenen Orchester an. Dagegen war der Lärm in der Sixtinischen Kapelle gar nichts gewesen. Wir waren jedenfalls froh, als auch die Jugend mal müder wurde und einige sich zum Schlafen zusammen kuschelten. Kurz vor 0.00 Uhr landeten wir wohlbehalten in Hahn.

Unser Auto hatte die Zeit gut dort gestanden. Wir zahlten am Automaten den Betrag, der uns schon zuvor bekannt war und fuhren nach Hause.
Weil uns das mit der Masche von Aquasun doch sehr ärgerte, und wir nicht einsahen, dass diese Gesellschaft sich an uns satt macht, haben wir gleich am nächsten Tag einen Brief nach Köln geschickt und um Rückerstattung der Taxigebühren und des Differenzbetrages zwischen dem 4-Sterne- und 3-Sterne-Hotel gebeten. Ganz schnell war bereits die Antwort da, dass wir selbstverständlich das Geld zurück bekommen würden, dass es aber vor dem 5. Oktober aus buchhaltungstechnischen Gründen nicht möglich wäre. Nun warten wir also auf das Geld, das wir zuviel bezahlt haben. Die Unbequemlichkeiten, die Wartezeiten, den Qualitäts- und Lustverlust, die uns das Unternehmen Aquasun zumuteten, bekommen wir nicht bezahlt. Und so bleibt auch hier mal wieder ein schaler Geschmack übrig.
Um anderen Menschen aufzuzeigen, wie Aquasun mit uns und vielen anderen Reisenden verfuhr, veröffentliche ich unsere Erlebnisse auf dieser homepage und hoffe sehr, dass es in Zukunft nicht mehr so viele sind, die sich von solchen Veranstaltern über den Tisch gezogen fühlen müssen.

Koblenz, 07.10.2004

Nachtrag: Nach 3-maligem Mahnen und zuletzt der Androhung, AQUASUN wegen Betruges zu verklagen, hat das Reiseunternehmen nach fast 4 Wochen endlich das zuviel gezahlte Geld zurückgezahlt.





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