Reise nach Kreta am 24. September 2001
1. Tag
Wir freuten uns sehr auf Kreta, hatten wir doch bereits einiges davon schon in der Schulzeit gehört. Nun sollte es Wirklichkeit werden, die sagenumwobene Insel kennenzulernen. Damit wir bereits vom ersten Tag an Urlaub hätten, beschlossen wir, das eigene Auto in der Garage zu lassen und lieber ein Flughafentaxi zu nehmen.
Bisher hatten wir unterschiedliche Erfahrungen damit gemacht, und nicht immer gute. Aber da wir nicht nachtragend und immer bereit sind, den Menschen eine Chance zu geben, buchten wir das Taxi beim gleichen Unternehmen wie beim letzten Mal. Der Flug ab Köln sollte um 3.00 h losgehen.
Eine gute Woche zuvor hatten islamistische Terroristen das World Trade Center in New York mit normalen Passagiermaschinen angegriffen. Sie hatten sie während normaler Inlandflüge in ihre Gewalt gebracht und als Bomben missbraucht, die die Zwillingstürme des WTC in Schutt und Asche legten. Dabei kamen nicht nur mehr als 6.000 Menschen aus allen Nationen in den Gebäuden selbst ums Leben. Sondern auch Passagiere von drei weiteren Passagiermaschinen mussten ihre Leben lassen. Und das Verteidigungsministerium wurde zu einem Drittel zerstört. Die letzte Maschine hatte mutige Menschen an Bord, die mit den Entführern kämpften. Doch auch diese Maschine stürzte ab, jedoch ohne ihr Ziel zu treffen. Aber alle diese Menschen waren tot. Seitdem die Amerikaner nun mit Vergeltung drohten, obwohl sie kaum wussten, wo sich der Hauptterrorist Osama Bin Laden befand, war die ganze Welt in Aufruhr. Die Flughäfen wurden stärker überwacht, niemand durfte in seinem Handgepäck ein Messer, eine Schere oder eine Nagelfeile mitnehmen. Keine Flüssigkeiten, weder als Babyfläschchen noch als Parfüm. Es könnte ja Sprengstoff darin enthalten sein. Und weil die Kontrollen wesentlich länger dauerten als früher, mussten wir auch schon viel eher am Flughafen sein.
Deshalb wurden wir schon um 23.30 h von dem Taxi abgeholt. Das Fahrzeug hielt pünktlich vor der Haustüre, jemand stieg aus ........... und wir erschreckten. War das etwa die gleiche Dame, die uns im vergangenen Jahr wie eine Kamikazefliegerin erschienen war? Sie war es. Doch diesmal fuhr sie zwar zügig, aber durchaus ausgeglichen.
Vor dem Abfertigungsschalter stand bereits eine riesige Menschenschlange und wir reihten uns ein. Dabei kamen wir mit einigen Wartenden ins Gespräch. Ein in Deutschland lebender Engländer, dessen Geschwister in Australien lebten, hatte ein seltsam geformtes Gepäckstück dabei. Er erklärte, dass er ein Didgeridoo in zwei Rucksäcken und Stiefeln verpackt hätte, weil er auf Kreta mit einem Freund, der sich auf Percussion verstand, musizieren wollte. Außerdem erzählte er, dass er in einer Band spiele, Übersetzer sei und seit 27 Jahren nach Kreta fahre. Er machte uns noch neugieriger auf die Insel, als wir es schon ohnehin waren. Durch die Erzählungen verging die Zeit sehr schnell. Um 2.30 h war boarding, doch um 3.00 h konnten wir noch immer nicht starten, weil die Zugmaschine plötzlich defekt war. Um 3.29 h ging es dann endlich los. Es war eine stockfinstere Nacht. Doch als wir über Griechenland flogen, zeigte sich der Himmel mit einem goldorangenen Band am Horizont. Wir freuten uns auf Sonne und Wärme, denn in unserer Heimat hatte der Herbst bereits Einzug gehalten. Als wir pünktlich um 7.30 h Ortszeit (6.30 h MESZ) landeten, waren es bereits 29°C. Müde aber zufrieden erreichten wir dann auch unser erstes Hotel, bevor die Rundreise begann, das Hotel Lambi. Es war von der Ausstattung sehr wenig komfortabel. Aber es hatte einen herrlichen Pool, den wir natürlich gleich nutzten.
2. Tag
Die Reiseleiterin holte uns rechtzeitig im Hotel ab und wir fuhren zu den Ruinen von Knossos. Sie erklärte uns, dass ein übereifriger Engländer nicht unbedingt nur Gutes mit der Rekonstruktion und Farbgestaltung des Gemäuers gemacht hätte.
Unsere Fahrt ging weiter nach Heraklion. Wir besuchten das archäologische Museum und besichtigten die Stadt. Die Weiterfahrt führte uns über Agios Nikolaos, das wir kurz besuchten. Wir schlenderten an der Kaimauer entlang, bewunderten die phantastische Vegetation und genossen die Ruhe, die dort war. Dann ging es weiter nach Ierapetra im Süden der Insel. Wenn man sehr gute Augen hätte, könnte man vielleicht bei Superwetter Afrika sehen, meinte jemand. Das kann man glauben oder nicht. Auf jeden Fall war es sehr, sehr warm dort. Unser Hotel hieß Zakros. Es gab dort zwar eine Klimaanlage, aber um sie schalten zu können, musste man erst an der Rezeption vorstellig werden. Wir machten das, andere, die nicht auf die Idee kamen, schwitzten sich fast weg in der Nacht. Das Abendessen war gut, allerdings kam uns das Frühstück etwas mickrig vor. Aber wir akzeptierten das so, da im Süden Europas die erste Mahlzeit nicht so hoch bewertet wird wie bei uns.
Die Fahrt ging zum Moni Toplou. Nach Besichtigung des Klosters fuhren wir zum Palmenstrand von Vai. Man erzählte uns, dass dort für Bounty die Reklamefilme gedreht worden wären. Das konnten wir uns gut vorstellen, denn es wirklte alles traumhaft schön und erinnerte uns an die Karibik. Leider gönnte man uns nur eine Stunde Aufenthalt an diesem herrlichen Fleckchen Erde, so dass wir uns überlegten, ob es sich wohl lohnen würde, ins erfrischende Blau zu springen. Doch die fehlende Süßwasserdusche hielt uns dann davon ab. Anschließend fuhren wir zur Besichtigung des Palastes von Kato Zakros. Kato Zakros erschien mir wie ein Reklamebild für Griechenland. Wir wanderten ein wenig an der Kaimauer entlang und genossen den Anblick. Nach dem Mittagessen ging es weiter nach Sitia. Das Städtchen ist sehr schön gelegen und hat einen weiten Sandstrand.
Die Rückfahrt ging dann wieder über Agio Nikolaos nach Ierapetra ins Hotel Zakros. Dabei fuhren wir quer durch das Gebirge und bekamen eine wunderschöne Aussicht geboten.
Wir fuhren von Ierapetra nach Kriba und besichtigten dort die Kirche Panghia Kera aus dem 13. und 14. Jahrhundert sowie das Nonnenkloster Kera. Wir bewunderten die Innenhöfe mit den vielen Blumen und Büschen. Anschließend ging die Fahrt weiter zur Lassithi-Hochebene und zur Geburtshöhle von Zeus. Von den vielen Windmühlen, die auf den alten Werbeprospekten der Hochebene noch zu sehen sind, sind kaum noch welche da. Leider verfallen sie und werden wegen der geringen Rentabilität nicht mehr aufgebaut. Unser Mittagessen nahmen wir auf dem Pass ein, auf dem auch Windmühlenruinen zu sehen waren. Wir durchfuhren das Diktigebirge, um wieder nach Heraklion zu kommen und übernachteten wieder im Hotel Lambi.
Unsere Fahrt ging nach Gortys. Wir besichtigten die Kirche mit dem Altarraum, römische Ruinen (Odeon usw.) und fuhren anschließend nach Matala. Matala, alleine schon der Name zergeht einem auf der Zunge. Einfach ein Traum. Und wenn man dann diese Bucht vor sich sieht, Sandstrand und Palmen, durchlöcherte Felsen, die die Bucht abschließen - einfach himmlisch. Die Höhlen, die zum Teil schon uralt sind, wurden erweitert und ergänzt durch Hippies, die eine Zeitlang dort gehaust hatten. Eigentlich hätten wir uns auch hier einen längeren Aufenthalt gewünscht. Leider war auch hier die Zeit zu kurz, um schwimmen zu gehen. Wir trennten uns nur ungern von diesem schönen Flecken. Aber unsere Fahrt war an diesem Tag noch nicht zu Ende. Wir fuhren nach Festos und besichtigten den 3. Palast des Minos. Anschließend fuhren wir nach Chania und übernachten dort im Hotel Elephteria.
Es gab zwei Möglichkeiten, die man an diesem Tag machen konnte. Entweder man entschied sich dafür, dass der Bus einen zur Umalos-Hochebene brachte, damit man 18 km durch die Sanmaria-Schlucht marschierte und unten am Meer mit der Fähre wieder zurückfuhr, um mit dem Bus zurückzufahren nach Chania. Oder man blieb den halben Tag im Bus und wurde durch die Gegend gefahren. Trotz Bedenken, ob wir die 18 km durchhalten würden, entschieden wir uns für die Sanmaria-Schlucht. Ich verstärkte meine Knie mit Bandagen, und los gings. Eine Dame, die uns vorher erzählt hatte, dass sie dreimal in der Woche Sport mache und die auch danach aussah, verstauchte sich schon, kaum dass der Bus fort war, am Einstieg in die Schlucht den Fuss. Das war eine schlimme Sache, da man uns vorher gesagt hatte, dass es keine andere Möglichkeit gäbe, als nach 18 km Wanderung wieder aufgenommen zu werden. Sie quälte sich, aufgestützt auf den Arm ihres Mannes und einen Wanderstock, die ganze Strecke hindurch bis zum Meer. Sie tat uns wirklich leid. Wir gingen in gemäßigtem Tempo und nahmen den Rat der Reiseleiterin sehr ernst, stehen zu bleiben, wenn man sich etwas ansehen wollte. Denn ein falscher Schritt und wir hätten das gleiche Debakel erlebt, wie die bedauernswerte Frau. Wir wunderten uns, dass wir zu den ersten gehörten, die das Restaurant an der Küste erreichten. Ich brauchte allerdings zwei Stühle für mich. Einen zum Sitzen, den anderen, um meine armen Füße hochzulegen. Der Wirt kannte das wohl schon und sagte nichts dazu. Einigermaßen erholt warteten wir dann auf die Fähre, die uns von Agia Roumeli nach Chora Sfakion brachte. Dort wartete der Bus auf uns und fuhr uns nach Chania.
Wir fuhren nach Makeme. Dort gibt es eine Kriegsgräberstätte deutscher Soldaten. Die armen Männer wurden im 2. Weltkrieg von der griechischen Armee beim Sprung aus den Flugzeugen wie die Hasen abgeknallt. Um die Geschichte genau zu wissen, hat man in einem Haus eine Art Museum eingerichtet, in dem auf Wandtafeln der Verlauf des Kriegsgeschehens aufgezeigt ist. Unsere Fahrt ging dann zu einem Süßwassersee in Koumas, und anschließend fuhren wir nach Rethymnon, das wir besichtigten. Nach einer kurzen Besichtigung von Phodele (El Grecos Geburtsort) ging es zurück zum Hotel Lambi. Das war unser letzter Rundreisetag.
Wir freuten uns über unseren Umzug ins Hotel Aktizeus, hatten wir doch eine gute Wahl getroffen, um die restliche Urlaubswoche, die wir als Badewoche gedacht hatten, in einem besseren Hotel zu verbringen. Zuvor waren wir schon öfter an „unserem“ Hotel vorbeigegangen oder -gefahren. Und nun konnten wir den wunderschön angelegten Garten jeden Tag bewundern. Der Sandstrand war auch schön, nur das Schwimmen im Meer wurde ein wenig getrübt durch Felsen, die man berücksichtigen musste, um sich nicht die Beine aufzuschlagen. Aber das Essen war gut, das Zimmer schön, die Anlage insgesamt gepflegt. Und so erholten wir uns gut und hatten viel Zeit, die Rundreise zu reflektieren.