Das Weihnachtswunder

Schon seit Monaten ärgerte ich mich über die defekte Lampe in der Deckenleuchte. Da es sehr schwierig war, mit ausgestreckten Armen über dem Kopf zu arbeiten, und das Herausdrehen der Schrauben mit Kraftaufwand verbunden war, schoben wir das anstrengende Abschrauben des Glases immer wieder vor uns her, benutzten nur noch die Stehleuchte mit Halogenlampen, die ohnehin das Zimmer besser ausleuchtete. Von Zeit zu Zeit, wenn gerade etwas gesucht wurde, schalteten wir mehr aus alter Gewohnheit die Deckenlampe an. Erst hatten von vier Birnen noch drei gebrannt, einige Wochen später nur noch zwei. Aber wir konnten uns einfach nicht aufraffen, dem Dämmerlicht ein Ende zu bereiten.

Nun rückte Weihnachten immer näher und wir überlegten, ob wir uns nicht zu einer neuen Deckenleuchte entschließen sollten, deren Lampen mit weniger Aufwand ausgetauscht werden könnten. Aber die vielen Vorbereitungen für Weihnachten und die Einkäufe in der Adventszeit hielten uns davon ab, intensiv nach einer neuen Lampe zu suchen.

Nun war bereits der 23. Dezember. Es war Abend und wir hatten noch immer die alte, defekte Lampe an der Decke. Ich hatte mich in das Arbeitszimmer zurückgezogen, um die letzten Geschenke einzupacken, hatte die letzten Briefchen geschrieben, um sie an die Geschenkpäckchen zu heften. Als ich mit der Arbeit fertig war, ging ich wieder ins Wohnzimmer, um die Aufklebesternchen und das Kräuselband in den Sekretär zurückzulegen. Dabei bemerkte ich auf einmal, daß das Licht im Zimmer von oben kam, ich also mehr aus Versehen wieder die funzelige Deckenlampe angeknipst hatte. Aber seltsamerweise war es trotzdem hell im Raum. Ich sah erstaunt nach oben und wunderte mich. Alle vier Lampen in der Deckenleuchte brannten. Wie konnte das sein? Von uns hatte doch niemand die defekten Lampen ausgewechselt. Nachdem ich meinen Blick eine Zeitlang staunend auf die Leuchte gerichtet hatte, sah ich wieder nach unten. Da bemerkte ich auf dem Tisch, der direkt unter der Lampe steht, goldenen Staub liegen, der im Licht leuchtete und glitzerte. Sternenstaub, ging es mir durch den Kopf. Das mußte Goldstaub von den Flügeln der Engeln sein, die die Lampe repariert hatten. Eine andere Erklärung konnte es für mich nicht geben, und ich lächelte reuevoll bei dem Gedanken, daß ich jahrelang nicht mehr an die himmlischen Helfer geglaubt hatte.

Jetzt konnte ich Weihnachten feiern.

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