Gestohlene Frucht
Vergessen legt sich auf, die große Stadt lockt. Die Frau kennt nicht mehr Mann, nicht Feld, nicht Kate. Der Nachbar fährt den großen Wagen.
Krank ist der Mann, wird täglich kranker. Er kann es nicht ändern, weiß, daß er nichts ändern kann. Arm war er immer, doch nie ließ er sie ruhen. Der Acker ruft, will umgepflügt, besamt werden. Die Kate ist klein.
Die Frau wächst, und die lockende Stadt leuchtet und gleißt, wie die Morgensonne auf frisch-gebrochener Scholle. Das Haus erstrahlt im bunten Neonlicht, läd aufdringlich blinkend ein ins kleine Zimmer unterm Dach. Räkelnde Gestalten auf quietschendem Bett.
Der Mann schleppt sich aus der Kate, setzt sich auf die schmale Bank. Sein Blick geht in die Ferne. Auf seinem Schoß liegt sein Gewehr. Er hält es, wie sein Kind. Vogelschwärme sitzen auf dem Feld, fressen den ausgebrachten Samen, machen jede Hoffnung auf Frucht zunichte.
Vergilbte Tapeten mit ausgeblichenen Mustern starren von den Wänden. Leiber wölben sich unter dem Laken. Stimmen schrillen auf der Straße. Rauchkringel steigen zur Decke.
Schwarze Vögel sitzen auf den Feldern. Motorengeräusche zetern in der Ferne. Eine Hand greift zögernd zum Holz, zum Metall. Am blaßblauen Horizont erlischt der Tag. Der Mond hängt wie eine überreife Orange über dem Land. Autoscheinwerfer erhellen streifig den Weg, eine Tür schlägt. Der aufheulende Motor läßt einen Schwarm schwarzer Vögel erschreckt zum Himmel fliegen. Leises Gehen knirscht den Kies. Metall klingt im Dunkel, der arme Mann erhebt sich mühsam. Ein Schuß zerreißt die Nacht. Der Mond verblutet hinter Wolken.
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